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Sonntag, 8. März 2015

Die Prinzessin auf dem weißen Pferd - Ein modernes Märchen



Es war einmal, vor gar nicht allzu langer Zeit, da lebte eine Frau mittleren Alters, mit goldenen Haaren und blauen Augen. Sie lebte ganz allein in ihrer kleinen bescheidenen Behausung. Sie glaubte, sie wäre glücklich und alles liefe seinen richtigen Weg.
Früher einmal hatte sie von der großen romantischen Liebe geträumt. Wie alle kleinen Mädchen hoffte sie, dass eines Tages ein Prinz auf einem großen weißen Pferd daherkomme und sie mit sich nimmt, in sein großes Schloss.
All ihre Freundinnen spielten damals mit Puppen, sie, nennen wir sie Bibiane, hatte nie wirklich Interesse an Puppen. Sie fand sie sogar doof. Bibiane spielte viel lieber mit Autos und Teddys. Beim Mutter und Kind spielen, wollte sie immer der Vater sein. Nie die Mutter oder das Kind.
Ihre Mutter machte sie immer recht hübsch, mit Kleidern und Spangen im Haar. Die allerdings nicht lange in ihrem dünnen goldenen Haar hielten. Überhaupt spielte sie viel lieber mit Jungen als mit Mädchen. Die waren ihr zu langweilig. Wollten nur mit Puppen spielen und über Jungs reden.
Bibiane kletterte lieber auf Bäume, buddelte in der Erde oder ging mit den Nachbarsjungen, im Wäldchen nebenan, auf Abenteuerreise.
Schnell merkte sie, dass sie lieber Hosen als Kleider trug und auch keine Angst davor hatte, sich dreckig zu machen.
Ihre Mutter verzweifelte schon manchmal, wie verdreckt Bibiane manchmal nach Hause kam. Und auch sonst, war sie für jeden Streich zu haben.
Klingelmännchen in der Nachbarschaft, Telefonstreiche, einfach mit dem Fahrrad in die nächste Stadt fahren, ohne den Eltern etwas davon zu sagen.
Sie war ein richtiger Lausbub und hatte an Jungen überhaupt kein Interesse. Nur als Spielkameraden waren sie ihr sehr willkommen.

Dann wurde Bibiane älter. Sie kam in die Schule und lernte neue Freundinnen kennen. Diese schwärmten wieder nur von Jungen, wie toll und stark die wären und stritten sich darüber, wer am besten küssen konnte.
Bibiane verstand diese ganze Hysterie nicht. Aber sie machte mit, um dazu zu gehören. Sie ging auf ihre ersten Partys, tanzte mit irgendwelchen Jungen, die ihr eigentlich völlig egal waren und knüpfte die ersten zarten Bande.
Ihre erste sexuelle Erfahrung machte sie dann mit vierzehn Jahren. Sie trat
einer Musikkapelle bei und lernte dort einen Jüngling in ihrem Alter kennen.
Im Haus seiner Eltern und auch noch in deren Bett, machte sie dann die erste Bekanntschaft mit einem erregten Glied. Aber da war nur anfassen. Mal kurz berühren, sie traute sich nicht einmal genauer hinzusehen. Diese „Beziehung“ dauerte dann auch nicht mehr lange. Bibiane war froh, als sie beendet war.
Danach folgte lange nichts. Um nicht als sonderlich zu gelten, spielte sie das Spiel ihrer Freundinnen mit. Sie sprach über Jungs und Männer, schwärmte für den einen oder anderen Filmstar oder Sänger, log darüber, dass sie schon Sex gehabt habe, nur um dazu zu gehören. Obwohl Bibiane schon immer sehr selbstbewusst war und auch immer schon genau wusste was sie wollte, war ihr die Freundschaft zu den anderen Mädchen und später Frauen, doch sehr wichtig. Überhaupt war sie immer sehr harmoniebedürftig und konnte es nicht haben, wenn sie mal Streit mit einer Freundin hatte.
Als sie älter wurde, merkte sie, dass ihre Freunde sich immer auf sie verließen. Sie arrangierte die Fahrer, wenn es in die Disko gehen sollte, sie machte Vorschläge, wenn wieder keiner mal wusste, was sie unternehmen sollten. Und alle akzeptierten sie. Aber Bibiane wurde auch oft von Freundinnen enttäuscht. Aber das hielt sie nie davon ab, zu verzeihen und zu vergeben. Manche Freundin hat sie für einen Jungen oder Mann fallen gelassen. Aber sie verlor nie den Glauben an die Liebe oder die Freundschaft.

Bibiane war ein Spätzünder, was den Sex betraf. Entjungfert wurde sie von ihrem zweiten Freund im Auto mit dem Finger. Richtiger Sex kam dabei nicht zustande. Auch diese Beziehung beendete sie schnell wieder. Dann kam der Mann, mit dem sie ihren ersten Sex haben sollte. Es war nicht romantisch, nicht schön und sie war froh, als es vorbei war. Es geschah auf dem Beifahrersitz seines Autos. Sie fühlte nichts dabei, nur einen unangenehmen Schmerz. Danach schliefen sie öfter zusammen und es wurde besser und Bibiane bekam sogar richtig Spaß daran. Dieser Freund konnte sehr lange Sex machen, was ja eigentlich nicht schlecht war, doch das Ganze war für Bibiane eine Tortur. Während er sich auf ihr abmühte um zum Höhepunkt zu kommen, wartete sie nur darauf, dass er endlich fertig werde. Manchmal war sie schon trocken, während er noch weiterrubbelte. Einen Orgasmus hatte sie nie. Das änderte sich auch nicht bei ihren anderen Freunden. Sie hatte zwar mehr Spaß am Sex, war aber immer darauf bedacht, dass er seinen Spaß hatte. Ihre Erfüllung stellte sie immer hinten an. Orgasmen spielte sie immer vor, damit die Männer dachten, sie machten alles richtig.
Ihre Beziehungen hielten immer nur ein bis zwei Jahre maximal. Und immer war sie froh, wenn es vorbei war. So groß die Verliebtheit am Anfang auch war, am Ende war sie glücklich, wieder allein zu sein. Nach ihrer letzten Beziehung mit Mitte dreißig, hatte sie dann noch einige One Night Stands bis sie schließlich für sich beschloss, endgültig mit der Liebe abzuschließen.
Ihre Beziehungen waren am Ende immer so enttäuschend gewesen, dass sie sich diesen Gefühlen nicht mehr aussetzen wollte.

Doch dann geschah etwas Seltsames. Sie hatte zwar schon immer bemerkt, dass sie die eine oder andere Freundin auf eine andere Art mochte, als normale Freundschaft. Sie ertappte sich manchmal dabei, wie sie sich vorstellte ihre Freundin zu küssen, oder gar Sex mit ihr zu haben. Am Anfang errötete sie innerlich immer dabei und verdrängte diese Gedanken.
Doch je mehr Zeit ins Land ging und je länger Bibiane allein lebte überkam sie mehr und mehr das Gefühl, dass da etwas war, was sie sich nicht erklären konnte. Oder doch?
Sie ertappte sich dabei, wie erregt sie wurde, als in einem Film zwei Frauen sich küssten und Sex miteinander hatten. Ihr gefiel die Vorstellung mehr und mehr. Bibiane fing an speziell nach Filmen zu suchen, in denen Frauen Sex miteinander hatten. Sie las Bücher, Liebesgeschichten in denen Frauen in Frauen verliebt waren. Doch ihr war klar, auch wenn sie diese Vorstellung erregte, mit einer Frau Sex zu haben, sie würde das niemals ausleben können. In ihrem Lande war es zwar nicht verboten gleichgeschlechtliche Beziehungen zu haben, aber sie könnte das ihren Eltern niemals erklären. Sie würden das nicht verstehen. So wie sie über Homosexualität dachten, hätte es gar keinen Sinn. Und Bibiane wollte von ihren Eltern nicht verstoßen werden.
Also lebte sie ihre Fantasien ganz im Geheimen aus, lies Filme in ihrem Kopfkino ablaufen, las Bücher und sah sich Filme und Serien über das Thema lesbisch an.
Viele Jahre ging das so, ihre Freunde hatten nicht die geringste Ahnung, was in ihr vorging. Bibiane baute eine Mauer um sich herum auf. Sie spielte eine Rolle und das verdammt gut. Sie ließ niemanden hinter ihre Fassade blicken und spielte ihren Part. Sie lebte viele Jahre allein, war glücklich dabei, ging mit Freunden aus, hatte Spaß und arrangierte sich mit der Situation. Doch innerlich blieb die unerfüllte Sehnsucht nach Zärtlichkeit, Liebe, Verständnis und sexueller Erfüllung. Aber das hätte sie niemals zugegeben. Wenn die sexuelle Spannung zu groß wurde entspannte sie sich selbst und das reichte ihr. Sie war glücklich und zufrieden bis, ja, bis dann eines Tages…

Bibiane war schon immer eine begeisterte Schreiberin. Sie hatte so viele Geschichten im Kopf, die sie gern zu Papier bringen wollte. Doch schreiben macht nur halb so viel Spaß, wenn es weiter keiner liest. Also beschloss sie, im Internet einen Blog einzurichten. Das war nichts Ungewöhnliches in dem Königreich, in dem sie lebte. Anonym richtete sie eine Seite ein, auf der sie über ihre Gedanken und Gefühle zum Thema Liebe zwischen Frauen schreiben konnte. Sie schrieb den einen oder anderen Artikel. Zunächst sahen nicht viele Leser ihre Seite. Aber das war ihr egal, schließlich schrieb sie ja in erster Linie für sich. Doch dann kamen immer mehr Leser dazu. Sie bekam auch den einen oder anderen Kommentar. Doch für ihren Geschmack waren das zu wenige. Also startete Bibiane einen Aufruf auf ihrer Seite und bat um mehr Resonanz.
Zunächst geschah nichts, doch dann, plötzlich, eine Email von einer unbekannten Frau. Sie benutzte das Pseudonym Marlene Schanze. Sie schrieb Bibiane einen kurzen Brief in dem sie ihr mitteilte, dass sie ihre Seite sehr ansprechend fände. Dass sie in einer festen Beziehung mit einem Mann lebe und sie ihre Gefühle auch nicht ausleben könne.
Bibiane freute sich über die kurze Nachricht. Hatte sich doch bisher niemand sonst geäußert. Also schrieb sie dieser Unbekannten zurück.
Daraus entwickelte sich ein mehr oder weniger regelmäßiger Emailaustausch.


Fortsetzung folgt……




Alle Namen und Orte sind frei erfunden.

Sonntag, 25. Januar 2015

Feedback

Ich freue mich über jedwede Art von Feedback oder Anregungen:

Sandy_Meier@ok.de

Ich freue mich über jede Nachricht, Antwort garantiert.

LG Sandy

Erkenntnis des Tages

Du glaubst, du hast alles im Griff und alles läuft gut, doch dann bekommst du richtig eins in die Fresse.

Sonntag, 18. Januar 2015

Das Licht am Ende des Tunnels



Als ich diesen Blog angefangen habe, hätte ich niemals gedacht, dass ich über diese Seite einen Menschen kennenlernen würde, der mein Leben so auf den Kopf stellt.
Ich schreibe diesen Blog, um meine Gedanken und Träume mitzuteilen. Mit einer Reaktion habe ich nicht wirklich gerechnet. Auf meiner Seite habe ich dann irgendwann einen Aufruf gestartet, mir doch zu schreiben, ich wollte einfach mal etwas Feedback. Lange kam nichts. Doch dann, Anfang letzten Jahres schrieb mich eine Frau an.
Aber ich muss etwas ausholen. Ich bin ein Mensch, in dessen Leben Menschen (Männer, Freunde, Bekannte) kamen und gingen. Beziehungen hatte ich nur mit Männern und eigentlich war ich immer ganz froh, wenn sie wieder verschwunden waren. Und irgendwann habe ich dann beschlossen, keine Beziehungen mehr einzugehen. Ich dachte, ich wäre Beziehungsunfähig und es läge an mir. Da wusste ich aber noch nicht, wie recht ich hatte. Ich baute eine Mauer um mich herum und ließ niemanden hindurch.
Es gibt Freunde zum leben und Freunde fürs Leben. Ich hatte und habe immer nur die erste Variante gehabt. Mein Leben war gut, ich war glücklich, hatte mich mit der Situation arrangiert. Ich brauchte sonst nichts in meinem Leben.
Bis ich dann vor einiger Zeit feststellte, dass ich doch vielleicht auf Frauen stehe. Aber ich hatte nie den Mut das zu leben.
Dann schrieb mich diese besagte Frau an. Sie lebt in einer Beziehung mit einem Mann, mag aber Frauen. Ein wenig verzwickt sagen sie, ja das ist wohl wahr. Aber das Leben geht manchmal seltsame Wege.
Nun, am Anfang schrieben wir mehr oder weniger regelmäßig Emails hin und her. Wir tauschten uns aus und für mich war es auch nicht mehr. Ein Austausch mit einer Gleichgesinnten.
Doch dann wurde der Kontakt immer intensiver. Ich spürte, dass sie so empfand wie ich. Aber ich war noch immer sehr vorsichtig, wollte meine Mauer nicht einreißen lassen, keine Gefühle zulassen.
Doch je öfter wir schrieben, telefonierten und wieder schrieben merkte ich, wie sie mir immer wichtiger wurde. Zuerst dachte ich noch: Das kann doch nicht sein. Ein Mensch, den du nur über das Internet oder das Telefon kennst, kannst du doch nicht mögen.
Aber es war so. Ich freute mich über jede Nachricht von ihr, über ihre Komplimente, ihre Kommentare und ihre Gedanken. Ich kann mit ihr über alles reden und damit meine ich wirklich über alles.
Nach und nach fing meine Mauer an zu bröckeln. Bis ich sie kennenlernte wusste ich nicht, was in meinem Leben gefehlt hat. Ich entwickelte Gefühle für sie. Obwohl ich sie ja noch nicht wirklich kannte. Bis heute haben wir uns noch immer nicht persönlich kennengelernt, aber sie ist zu einem wichtigen Teil in meinem Leben geworden. Manchmal denke ich: Du bist total bekloppt. Einen Menschen, den du nicht persönlich kennst, dem du noch nicht einmal in die Augen geschaut hast, kannst du nicht mögen. Das ist total verrückt.
Aber das Schöne ist, sie ist genauso verrückt wie ich. Sie ist mir sehr wichtig geworden und ich fühle mich schlecht, wenn ich mal nichts von ihre „höre“.
Es ist ein tolles Gefühl, zu wissen, da ist jemand, der an dich denkt, dem du wichtig bist, auch wenn es nur aus der Ferne ist.
Gebraucht zu werden ist ein tolles Gefühl. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal wieder darüber freuen würde.
Obwohl ich auch Angst habe, Angst davor, dass jemand verletzt werden könnte.
Wir wollen uns bald treffen. Ich bin schon ganz aufgeregt und freue mich sehr darauf. Doch was, wenn es nicht so wird wie wir es uns wünschen?
Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir verstehen uns auch im echten Leben oder, was wirklich sehr schade wäre, wir verstehen uns nicht.
Oder die Zuneigung beruht nur auf einer Seite. Auch das wäre sehr schlimm. Egal für wen. Eine wird dann auf jeden Fall enttäuscht sein.
Aber ich habe beschlossen, mich darauf einzulassen.
Ich möchte, dass es funktioniert. Was draus wird? Keine Ahnung. Aber ich habe für diese Frau schon so viel Gefühl entwickelt, dass ich einfach nicht mehr zurück kann. Ich mag sie sehr und ich vermisse sie, wenn ich nichts von ihr höre. Sie bringt mich zum Lachen und zum Nachdenken. Sie ist da, wenn ich sie brauche ohne aufdringlich zu sein. Ich freue mich darauf, sie kennenzulernen und ihre Geheimnisse zu ergründen.
Sie hat einen guten Einfluss auf mich, ich habe wieder Spaß an Dingen, die ich schon lange nicht mehr so intensiv getan habe. Ich lese wieder viel, lasse das Fernsehen links liegen und höre lieber Musik und, und, und…..
Ich war überzeugt, ich sei glücklich, doch seit ich sie kenne weiß ich, es geht noch besser.
Ich sehe ein Licht am Ende des Tunnels.

p.s.: S. ich mag dich sehr und freue mich schon sehr darauf dich kennenzulernen. Du bist ein wichtiger Teil in meinem Leben geworden und ich möchte dich nie mehr missen.

Kapitel 11: Das Dorf in der Provence

Ich erwachte, als die Sonne mein Gesicht kitzelte, streckte und reckte mich. Mein Blick wanderte nach links und blieb auf Cassies schlafendem Gesicht ruhen. Gestern Abend waren wir zu kaputt um noch romantisch zu sein. Wir hatten uns ins Bett gelegt, eng aneinander gekuschelt und waren auch fast sofort eingeschlafen.
Nun sah ich in ihr wunderschönes Gesicht und musste unwillkürlich lächeln. Es war schon Wahnsinn, wie sehr ich diese Frau mochte. Jedes Mal, wenn ich sie ansah bekam ich ein wohlig warmes Gefühl im Bauch. Und es kribbelte mich überall. Ich war so froh, dass sie mit nach Paris gekommen war, auch wenn der Grund nicht ganz so schön war.
Oh, das erinnerte mich schlagartig an Hannah. Ich schaute auf die Uhr. Nein, es war noch früh, wir hatten noch etwas Zeit, bis wir zu unserem Termin an die Sorbonne mussten. Ich drehte mich auf die rechte Seite und schaute aus dem Fenster. Man konnte den Himmel sehen. Er war blau an diesem Morgen, mit einigen kleinen Schönwetterwolken.
Ich träumte so vor mich hin als ich plötzlich eine Bewegung hinter mir spürte. Cassie musste aufgewacht sein. Sie schmiegte mich in Löffelchenstellung an mich, legte ihren Arm um mich und hauchte mir ein: „Guten Morgen meine Süße“, ins Ohr.
Ich lächelte wieder.
Sie fing an meinen Nacken mit zärtlichen Küssen zu liebkosen. Ich musste leise aufstöhnen und konnte ihr Lächeln förmlich spüren.
„Ich weiß, dass dir das gefällt“, hauchte sie mir ins Ohr.
Ihre Hand wanderte langsam an meinem Körper hinunter. Jede Faser meiner Haut sehnte sich nach dieser Berührung und doch konnte ich meine Gedanken nicht von Hannah lassen.
Ich drehte mich abrupt um, gab Cassie einen Kuss und schob sanft, aber bestimmt ihre Hand zur Seite.
„Baby, sei mir nicht böse, aber ich bin in Gedanken immer noch bei Hannah. Ich kann mich einfach nicht entspannen“.
„Findest du nicht, dass du etwas übertreibst?“
Ich sah sie verständnislos an. „Du findest also, dass ich übertreibe?“
„Na ja, Hannah ist eine erwachsene Frau. Sie wird sich irgendwo vergnügen und sich schon bei dir melden, wenn sie es für richtig erachtet“.
Mit einem Satz war ich aus dem Bett.
„Wenn das deine Meinung ist, kann ich ja auch allein zu dem Termin mit Madam Boulanger gehen“. Ich wartete ihre Antwort nicht ab und stapfte wütend ins Bad. Geräuschvoll schloss ich die Tür.
Als ich unter der Dusche stand und das warme Wasser meine Muskeln entspannte bekam ich Gewissensbisse. Verdammt, ich hätte nicht so heftig reagieren sollen. Cassie hatte ja auch irgendwie recht. Vielleicht machte ich mir ja ganz umsonst Sorgen und Hannah fuhr jetzt irgendwo mit einem alten Renault durch die Gegend und amüsierte sich prächtig. Ich schüttelte vor mir selber den Kopf. Die Glastüren der Dusche waren mit Wasserdampf beschlagen, deshalb bemerkte ich Cassie erst, als sie die Tür öffnete. Sie war nackt und stieg zu mir in die Kabine. Ich drehte mich um und öffnete den Mund um mich zu entschuldigen. Doch sie legte ihren Zeigefinger auf meinen Mund, nahm mich in den Arm und küsste mich ganz sanft.
„Sorry Süße, ich weiß wie viel dir deine Tante bedeutet. Ich hätte das nicht sagen sollen“.
Gott, wie sehr ich diese Frau mochte.
„Nein, du hast ja recht. Ich überreagiere bestimmt“.
„Bestimmt nicht. Wir duschen jetzt, gehen in das kleine Bistro um die Ecke frühstücken und dann statten wir Madam Boulanger einen Besuch ab. Mal hören, was sie uns erzählen kann“.
Ich küsste sie leidenschaftlich. Wir liebten uns unter der Dusche und nach einem ausgiebigen Frühstück in dem kleinen Bistro war ich gestärkt für den Besuch bei Denise Boulanger.

Ich hatte zwar einen Wagen gemietet, doch den Stress in Paris zu fahren, wollten wir uns nicht antun. Mit der Metro fuhren wir zur Sorbonne, fragten uns zum Zimmer der Dekanin durch und klopften an die Tür. Nach einem freundlichen „Herein“ traten wir ein.
Die Sekretärin war eine junge Frau mit roten Haaren und Sommersprossen. Sie hieß Joy Carpenter, war Engländerin und Studentin an der Universität. Sie bat uns, noch einen Moment Platz zu nehmen, da der letzte Termin ihrer Chefin noch nicht beendet war.
Wir setzten uns auf ein kleines grünes Sofa, welches bestimmt schon mal bessere Zeiten gesehen hatte. Ich sah, wie Cassie Joy taxierte und wurde ein wenig eifersüchtig.
„Sie ist attraktiv, nicht wahr?“ raunte ich ihr ins Ohr.
Sie lächelte, sah mich an und flüsterte zurück: „Aber nicht so attraktiv wie du“.
Ich wurde rot. Verdammt, dass mir das immer noch passieren musste.
Cassie grinste mich frech an.
In diesem Moment ging die Tür zum Büro der Dekanin auf und ein schlaksiger junger Mann kam heraus. Er beachtete uns gar nicht, ging direkt zu Joy hinüber und setzte sich keck auf die Ecke ihres Schreibtisches.
„Na Joy, hast du dich nun entschieden, ob du heute mit auf die Schaumparty kommst“? fragte er sie auf Französisch.
„Ich dachte die sind in den 80ern ausgestorben“, raunte ich Cassie ins Ohr.
Joy stand auf, schubste den jungen Mann von ihrem Schreibtisch und kam auf uns zu.
„Madam Boulanger hat jetzt Zeit für sie, bitte folgen sie mir“.
„Och schade, jetzt erfahren wir nicht, ob sie mitgeht“, flüsterte mir Cassie zu.
Wir folgten der jungen Frau in das Büro der Dekanin. Es handelte sich um eine Frau Mitte 40, langes brünettes Haar, schlank und verdammt gut aussehend. Sie trat hinter ihrem Schreibtisch hervor und gab uns die Hand.
„Bon jour, sie müssen Miss Sandy Webster sein, schön sie kennenzulernen“, begrüßte sie mich in perfektem Englisch.
Dann gab sie auch Cassie die Hand und ich stellte sie als meine Freundin vor.
Madam Boulanger deutete auf eine gemütlich aussehende Sitzgruppe und wir drei nahmen Platz.          
 

Fortsetzung folgt.....


Dienstag, 25. November 2014

Süßes Geheimnis (Arbeitstitel)

Ich hatte es mir gerade mit einem Glas Rotwein auf meinem Balkon gemütlich gemacht, als mein Notebook, das auf einem kleinen Beistelltisch in der Ecke stand, ein geräuschvolles „Ping“ von sich gab. Mein Herz schlug etwas schneller. Hoffentlich ist es eine Nachricht von Mel, dachte ich und öffnete mein eMail Programm. Und tatsächlich, die Nachricht kam von ihr.
Ich musste schlucken und las voller Erwartung die paar Zeilen.

Hallo Sandy,

wie ist es Dir in den letzten Tagen ergangen? Ich hatte sehr viel Stress bei
der Arbeit und kann mich deshalb erst jetzt melden.
Aber ich hatte viel Zeit über unseren Kontakt nachzudenken und ich muss
sagen, der Austausch mit dir tut mir sehr gut. Endlich habe ich jemanden
gefunden, der so wie ich empfindet. Und obwohl ich Dich nicht persönlich
kenne, habe ich das Gefühl einer gewissen Vertrautheit.
Ich hoffe, das schockt dich jetzt nicht. Du hast mir sehr deutlich
geschrieben, dass du keine Beziehung möchtest und das kann ich
auch akzeptieren. Ich wünsche mir, dass wir noch viele Gedanken
austauschen können.
Und vielleicht lernen wir uns irgendwann ja auch mal persönlich
kennen.
Ich wünsche dir eine schöne Zeit und freue mich schon sehr auf Deine
Antwort.

p.s. Ich schicke dir mal etwas mit

Liebe Grüße Mel

Ich lehnte mich zurück und ließ die Worte nachwirken. An meinem Rotwein nippend musste ich lächeln. Wenn Mel wüsste. Ich freute mich mittlerweile so sehr auf ihre Nachrichten, das grenzte schon an Zuneigung. Verrückt, da ich diese Frau überhaupt nicht kannte.

Seit einigen Monaten schrieb ich an einem Blog über romantische Beziehungen zwischen Frauen. Ich selbst fühlte mich zu Frauen hingezogen, obwohl ich noch nie mit einer Frau intim war. Ja, mal ein freundschaftliches Küsschen, aber mehr war da nie. Sex mit Männern hatte mir nie viel gegeben. Ich blieb meistens unbefriedigt, aber die Schuld suchte ich größtenteils bei mir. Jetzt, nach einigen Jahren Erfahrung und einige Beziehungen später, glaubte ich zu wissen, warum ich nie Erfüllung in der Beziehung mit einem Mann fand. Ich konnte Männern ein super Kumpel oder Freund sein, aber sexuell hatte ich kein Interesse mehr an ihnen. Allerdings traute ich mich auch nicht, den entscheidenden Schritt zu einer Frau zu wagen. Sei es aus Mangel an Gelegenheit, sei es aus Angst nicht verstanden oder gemobbt zu werden.
Da ich mich also niemandem anvertrauen konnte, nicht einmal meiner angeblich besten Freundin, beschloss ich, einen Blog zu schreiben.
Ich fing an Geschichten zu erfinden, romantische Geschichten über Liebesbeziehungen zwischen Frauen.
Zunächst las kaum jemand meine Zeilen. Doch mit der Zeit kamen immer mehr Leser dazu. Doch ich hätte gern mehr Feedback zu meinen Geschichten gehabt, leider blieb dieser fast gänzlich aus. Dann, eines Tages, bekam ich eine nette Mail von Mel.
Sie schrieb mir, dass sie sich genau wie ich, zu Frauen hingezogen fühle. Wir schrieben einige Male hin und her. Manchmal konnte ich es kaum erwarten ihre Antwort zu lesen. Jeden Tag schaute ich mehrmals in meinen Posteingang und freute mich jedes Mal tierisch, wenn eine Nachricht von ihr eingetroffen war. Zuerst schrieben wir nur sehr allgemein, niemand wollte verraten, wer er wirklich war.
Doch mit der Zeit wurden die Nachrichten immer persönlicher. Ja, man könnte sagen, wir bauten uns ganz langsam eine Mail-Beziehung auf.

Bis heute. Heute hatte sie mich überrascht. Der Anhang war ein Foto von ihr.
Ja, da saß ich nun. Meine Hand mit dem Glas Rotwein war in der Luft eingefroren denn ich starrte auf ihr Foto, das ich gerade geöffnet hatte. Sie hatte sich zwar schon in einigen Mails beschrieben, doch was ich da sah, überstieg meine tollsten Vorstellungen. Auf dem Foto lächelte mich eine attraktive junge Frau mit blonden kurzen Haaren an. Ihre blaugrauen Augen strahlten eine Wärme aus, die mich sofort in ihren Bann zogen. Sie hatte eine schlanke Figur, obwohl ich nur den Oberkörper sehen konnte, und eine blonde Strähne ihrer ansonsten kurz geschnittenen Haare viel ihr keck in die Stirn.
Langsam ließ ich meinen Arm sinken. Diese Frau hatte etwas. Auch das, was sie schrieb hatte Hand und Fuß. Ich tauschte mich gern mit ihr aus.
Ich nahm mir eine Zigarette aus der Packung und zündete sie an. Tief zog ich den Rauch in meine Lungen. Verdammtes Laster, irgendwann wollte ich auch mal damit aufhören. Aber nicht Heute.
Mir schossen wirre Gedanken durch den Kopf.
Verdammt, es kann doch nicht sein, dass ich Gefühle für Mel entwickle? Für jemanden, den ich nicht einmal gesprochen, geschweige denn, gesehen habe.
Außerdem werde ich keine Gefühle investieren. Das habe ich mir geschworen. Kein Beziehungsstress, keine Eifersüchteleien, keine Sorgen: Was wohl der/die Andere gerade macht.
Ich schüttelte den Kopf, um wieder einen klaren Gedanken fassen zu können.
„Jetzt bleib mal auf dem Teppich. Deine Hormone gehen wohl mit dir durch“,
sagte ich zu mir und nahm einen großen Schluck Rotwein und einen weiteren Zug von meiner Zigarette.
In Gedanken versunken schaute ich von meinem Balkon auf die Skyline der Stadt hinunter. Ich hatte wohl einige Zeit so gesessen, denn plötzlich bemerkte ich, dass es zu dämmern begann. Da es Sommer war, war es immer noch angenehm warm. Ich nahm noch einen Schluck Wein und tippte dann eine Nachricht an Mel in den Computer.



                                                                                                                  Hallo Mel,

ich habe mich sehr gefreut von dir zu lesen. Ja, mir geht es genauso. Endlich jemanden zu haben, mit dem man seine Gedanken teilen kann, ist sehr schön.
Ich freue mich sehr über das Foto, das Du mir geschickt hast.
Ist aber auch sehr mutig von Dir. Da wir uns nicht kennen. Aber keine Angst, ich werde es sorgsam aufbewahren. Wir hüten ja beide das gleiche Geheimnis.
Allerdings hast du mich dadurch auch in Zugzwang gebracht. Ich möchte dir natürlich auch ein Foto von mir schicken und habe eines ausgesucht, das im letzten Jahr bei einer Vernissage aufgenommen wurde. Ich hoffe das ist ok für dich.
Ich wünsche dir noch eine schöne Zeit und bin schon gespannt auf Deine Antwort.

LG Sandy

Das musste reichen, mehr Gefühl konnte und wollte ich nicht zeigen. Warum auch? Ich kannte diese Frau ja gar nicht. Aber warum ,verdammt noch mal, musste ich dann immerzu an sie denken?

Wir schrieben uns nun schon seit sieben Monaten. Mehr oder weniger regelmäßig. Unsere "Mail-Beziehung" hatte Höhen und Tiefen. Mal verstand ich etwas falsch, mal sie. Mal war die eine pikiert, mal die andere. Aber irgendwie schafften wir es, wie im richtigen Leben, den Kontakt aufrecht zu erhalten. Obwohl ich manchmal schon Zweifel an der Aufrichtigkeit oder den Absichten von Mel bekam. Mehrmals nahmen wir Anlauf zu telefonieren. Aber meißtens kniff ich dann wieder. Entweder flüchtete ich mich in Ausreden oder es kam wirklich etwas dzwischen. Oder ich hatte einfach keine Lust zu quatschen. 
Aber Mel gab nicht auf. Gott sei Dank muss ich heute gestehen. Wir haben endlich diesen Schritt gewagt. Wir wissen schon so viel voneinander. Sie weiß mehr von mir, als alle Personen die ich kenne. Also nahm ich mir am letzten Wochenende ein Herz und fragte sie, ob sie nicht Lust hätte zu telefonieren. Sie sagte mit Freuden zu und am Abend war es dann endlich so weit. Ich war nicht wirklich aufgeregt, nur sehr neugierig auf diese mir doch eigentlich fremde Person. Das Telefon klingelte, ich meldete mich und am anderen Ende hörte ich Mel's aufgeregte Stimme. Ich mußte unwillkürlich lächeln. 
"Irgendwie süß", dachte ich. Und dann quatschten wir zwei Stunden lang über Gott und die Welt. Am Anfang war es noch etwas holprig, aber dann wurde auch Mel locker und wir lachten viel.
Am Ende des Gespräches fragte sie mich: "Telefonieren wir wieder?" Ich neckte sie: "Was!? Nochmal? Auf gar keinen Fall!" Ich lachte. "Natürlich telefonieren wir wieder. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht mit dir zu quatschen." Mel schien erleichtert. Gut, gewisser Humor kommt halt nicht immer so rüber, wie er sollte, wenn man sich nicht wirklich kennt. Aber ich denke, sie hat mich schon verstanden.
Als wir aufgelegt hatten, fühlte ich mich irgendwie so leicht. Keine Ahnung was das war. Das Gespräch war sehr gut gelaufen und trotzdem hatten wir noch genug Gesprächsstoff für die nächsten Telefonate übrig gelassen. Und ich hatte noch so viele Fragen und konnte spüren, dass es ihr genauso ging.
Eigentlich wollte ich ja nie mehr ein ernstes Gefühl zulassen. Eigentlich.........




Fortsetzung folgt…….