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Dienstag, 3. Oktober 2023

Feministische Gedanken zum Tag der deutschen Einheit

 

Feminismus in der heutigen Zeit: Fortschritte, Herausforderungen und Ausblick

Einleitung:

Feminismus ist eine soziale Bewegung, die seit Jahrhunderten für die Gleichberechtigung der Geschlechter kämpft. In der heutigen Zeit hat der Feminismus enorme Fortschritte erzielt und die Gesellschaft in vielerlei Hinsicht beeinflusst. In diesem Aufsatz werden wir die Entwicklung des Feminismus, seine Errungenschaften, die aktuellen Herausforderungen und einen Ausblick auf die Zukunft betrachten.

I. Die Entwicklung des Feminismus:

Die Wurzeln des Feminismus reichen weit zurück und reichen bis in die frühen Phasen der Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts. Damals kämpften Frauen für das Wahlrecht und andere grundlegende Rechte, die Männern vorbehalten waren. In den folgenden Jahrzehnten gewann der Feminismus an Dynamik und setzte sich für eine breitere Palette von Themen ein, darunter die Geschlechtergleichstellung im Arbeitsplatz, reproduktive Rechte und die Beseitigung von geschlechtsspezifischer Gewalt.

II. Errungenschaften des heutigen Feminismus:

In der heutigen Zeit hat der Feminismus bedeutende Fortschritte erzielt. Ein großer Erfolg war die Einführung gesetzlicher Bestimmungen, die die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts am Arbeitsplatz und in anderen Bereichen verbieten. Frauen haben auch Zugang zu Bildung und Karrierechancen erhalten, die früher nur Männern vorbehalten waren. Die feministische Bewegung hat dazu beigetragen, das Bewusstsein für Geschlechterungleichheit in der Gesellschaft zu schärfen und eine breitere Akzeptanz für vielfältige Geschlechterrollen zu fördern.

III. Herausforderungen des heutigen Feminismus:

Trotz der Erfolge stehen wir auch vor neuen Herausforderungen im heutigen Feminismus. Geschlechterstereotype und -rollen sind noch immer tief in vielen Kulturen verwurzelt und beeinflussen das Verhalten und die Erwartungen gegenüber Frauen und Männern. Frauen sind nach wie vor unterrepräsentiert in Führungspositionen, in der Politik und in bestimmten Berufsfeldern. Geschlechtsspezifische Gewalt, wie sexuelle Belästigung und häusliche Gewalt, bleibt ein drängendes Problem, dem entgegengetreten werden muss. Darüber hinaus müssen wir auch die spezifischen Herausforderungen von marginalisierten Gruppen, wie Frauen mit Behinderungen, LGBTQ+ und Frauen in Entwicklungsländern, in den Fokus nehmen.

IV. Ausblick auf die Zukunft:

Der Feminismus wird auch in der Zukunft eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Gesellschaft spielen. Es ist wichtig, dass wir weiterhin für die Gleichberechtigung der Geschlechter kämpfen und eine inklusivere Gesellschaft anstreben. Bildung und Bewusstseinsbildung sind entscheidende Instrumente, um Geschlechterstereotype zu überwinden und ein Umfeld zu schaffen, in dem Frauen ihre volle Potenzial entfalten können. Männer müssen als Verbündete in diesen Bemühungen einbezogen werden, um gemeinsam eine geschlechtergerechte Gesellschaft aufzubauen.

Zusammenfassung:

Der Feminismus in der heutigen Zeit baut auf den Errungenschaften der Vergangenheit auf und stellt sich neuen Herausforderungen. Die Bewegung hat bedeutende Fortschritte erzielt, aber es bleibt noch viel zu tun, um eine echte Geschlechtergleichstellung zu erreichen. Indem wir uns gemeinsam für die Rechte und Chancen von Frauen und Mädchen einsetzen, können wir eine inklusivere und gerechtere Gesellschaft für alle schaffen. Der Feminismus ist und bleibt ein wichtiger Antrieb für sozialen Wandel und eine bessere Zukunft.

Montag, 27. Oktober 2014

Kapitel 10: Paris mon amour



Nach fünf Tagen, einem handfesten Streit um die Finanzierung unseres Unternehmens und ca. 8 Stunden Flugzeit später stiegen wir in Paris bei strahlendem Sonnenschein aus dem Flugzeug.
Vom Flughafen Orly fuhren wir mit dem Taxi direkt in unser Hotel in der Rue Poissonniere. Ich hatte uns dort ein luxuriöses modernes Loft gemietet. Da ich schon einige Male beruflich in Paris war, hatte ich diese Adresse noch in meinen Unterlagen.
 Nachdem wir uns die Schlüssel vom Concierge aushändigen ließen stiegen wir die Treppe zu unserer Residenz hinauf und Cassie stieß einen anerkennenden Pfiff aus.
"Meine Herren, das hat bestimmt eine Stange Geld gekostet."
Ich sagte lieber gar nichts. Da sie noch Studentin war und sich mit kleinen Nebenjobs über Wasser hielt hätte sie nie das Geld aufbringen können für so eine Unterkunft. Ich dagegen verdiente recht gut bei der Agentur und es machte mir nichts aus, ihr unseren Trip zu sponsern.
Allerdings waren wir darüber vor der Abreise in einen handfesten Streit geraten.
"Ich lasse mich nicht aushalten!" rief sie und sah mich wütend an. Ihre Augen funkelten. Gott, sah sie sexy aus, wenn sie wütend war.
Ich schaute sie an. Manchmal konnte sie so stur sein. Aber ich konnte sie auch verstehen. Ein wenig verletzte es mich aber auch, dass sie meinen Vorschlag so auslegte. Nichts lag mir ferner als sie auszuhalten.
"Ok, mach was du willst. Ich werde dieses Loft mieten, ob mit dir oder ohne dich. Und es verletzt mich, dass du denkst, ich würde dich aushalten."
Dann drehte ich ihr den Rücken zu, sie sollte die Tränen in meinen Augen nicht sehen. Ich spürte wie sie hinter mich trat. Sie fasste mich an den Schultern und drehte mich sanft zu ihr um.
Sie sagte nichts und sah mir nur direkt in die Augen. Nach einigen Sekunden mussten wir beide laut losprusten.
Am Ende einigten wir uns darauf, dass ich das Hotel übernehme und sie ihren Flug allein bezahlt. Damit konnte ich leben und sie offensichtlich auch.

Nun fläzte sie sich gerade auf dem weißen Sofa und sah mich schelmisch an.
"Komm zu mir Mon Amour, wir sind in der Stadt der Liebe."
Ich sah auf die Koffer. "Sollten wir nicht erst mal auspacken?"
"Du Spaßbremse! Komm schon!"
Sie fing an ganz langsam ihre Bluse zu öffnen, Knopf für Knopf. Ich stand bloß da und schaute ihr zu.
Als sie ihre Bluse ganz geöffnet hatte, zog sie sie aus und warf sie achtlos auf den Boden.
Ach, die Koffer konnten wir auch später noch auspacken. Ich ging zu ihr, setzte mich neben sie auf die Couch und wir küssten uns leidenschaftlich. Langsam, ganz zärtlich Stück für Stück, zog sie mir meine Kleider aus. Erst den Pulli, dann die Jeans, ihr folgte der BH und schließlich der Slip. Ganz vorsichtig drückte sie mich nach hinten auf das Sofa und wir zollten der Stadt der Liebe ihren Tribut.

Ich spürte wie mir die Sonne das Gesicht streichelte. Ich war wohl eingeschlafen. Langsam öffnete ich die Augen. Die Sonne schien durch das Dachfenster und es fühlte sich herrlich auf meiner Haut an. Dann bemerkte ich, dass Cassie nicht da war.
"Cassie?!", rief ich und hörte ein Geräusch aus dem Schlafzimmer. Strahlend kam sie ins Zimmer, sie hatte sich umgezogen und ihre Haare waren noch feucht vom duschen.
"Vermisst du mich?" sie kam zu mir herüber und gab mir einen Kuss auf die Nasenspitze.
"Ich war schon fleißig, während du geschlafen hast. Die Koffer sind ausgepackt und geduscht habe ich auch schon." Sie grinste mich an. "Möchtest du einen Kaffee?"
Ich suchte nach meiner Armbanduhr, die musste ich wohl während unseres Liebesaktes abgelegt haben. Nun konnte ich sie nicht finden. "Wie spät ist es?" fragte ich Cassie.
"Kurz nach fünfzehn Uhr."
Ich sprang vom Sofa. "Dann flitze ich mal schnell unter die Dusche. Ich hab einen Bärenhunger."
Cassie lachte: „Wann hast du den mal nicht?“

Die Dusche hatte mich erfrischt und den Jetlag vorerst vertrieben. Cassie und ich schlenderten durch die Straßen von Paris. Ich bemerkte wie sie mich von der Seite ansah und drehte meinen Kopf in ihre Richtung.
„Was?“ Ich schaute sie fragend an. Sie lächelte.
„Du wirkst so entspannt. Paris scheint dir gut zu tun.“
„Ja, das und die Tatsache, dass du mit mir zusammen hier bist.“
„Ich würde dich jetzt gern küssen“, flüsterte sie mir lächelnd in Ohr.
Automatisch sah ich mich nervös um. Doch dann fiel mir ein, dass uns hier niemand kannte.
„Warum tust du es dann nicht?“ fragte ich keck und zwinkerte ihr zu.
„Hier? Mitten auf der Straße?“ Ihre Stimme klang überrascht.
„Ja, warum nicht? Hier kennt uns doch niemand.“
Sie sah mich mit einem seltsamen Blick an. Doch dann lächelte sie, nahm meinen Kopf in ihre Hände und küsste mich zärtlich auf den Mund.
Dann sahen wir uns noch ein paar Sekunden in die Augen und mussten beide plötzlich lachen. Doch ich hatte etwas in ihren Augen gesehen, was da vorher noch nie war. Leider konnte ich es zu diesem Zeitpunkt noch nicht einordnen.
Wir fassten uns an den Händen und gingen beschwingt weiter in Richtung des Restaurants in dem wir zu Abend essen wollten.
Ein älterer Mann der uns beobachtet hatte zwinkerte uns zu und sagte zu einer Frau, die neben ihm stand: „jeune amour est si beau“.
Ich lächelte in mich hinein.Wenig später erreichten wir das Restaurant, welches ich schon von meinen früheren Besuchen in Paris kannte. Wir suchten uns einen Platz am Fenster und studierten die Speisekarte.
Nachdem wir gewählt und bestellt hatten unterhielten wir uns über den nächsten Tag.
„Nun, was hast du für Morgen geplant?“
Ich sah Cassie an. „Morgen habe ich ein Treffen mit Denise Boulanger“.
„Und wer ist das?“ fragte Cassie, die sich gerade ein Stück frisch geröstetes Knoblauchbrot in den Mund steckte.
„Sie ist die Dekanin der Sorbonne. Dort wollte Hannah ihre Suche beginnen.“
„Und du denkst, sie kann uns weiterhelfen?“ fragte Cassie immer noch kauend.
„Das hoffe ich doch sehr, sonst weiß ich nicht, wo ich ansetzen soll“.
Cassie schluckte das letzte Stück Brot hinunter und nippte von ihrem Wein. Sie sah mich nachdenklich an: „Hast du schon mal daran gedacht, dass Hannah sich vielleicht gar nicht finden lassen will?“
Ich sah sie an. „Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Sie hat mich regelmäßig angerufen und beim letzten Gespräch hat sie sich mit ‚Bis zum nächsten Anruf‘ verabschiedet. Nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass sie untergetaucht ist. Warum auch?“
Cassie nahm meine Hand. „Keine Panik Schatz, war nur so ein Gedanke. Du kennst deine Tante besser als ich.“
Ich lächelte schief. Doch ihre Berührung beruhigte mich nicht, meine Sorgen hatten sich jetzt noch vermehrt.
Meine Gedanken wurden unterbrochen als der Kellner das Essen brachte. Während wir die Leckereien genossen zählte Cassie mir auf, was sie sich gern alles in Paris ansehen wolle. Über Hannah sprachen wir an diesem Abend nicht mehr.

Donnerstag, 14. August 2014

Sommer



Sommer


Träumend liege ich im saftig grünen Gras unter unserer Rotbuche.
Sanft streichelt mich eine sanfte warme Brise wie noch Gestern deine Finger.
Mein Blick wandert nach oben zu den roten Blättern, die sich deutlich vom blauen wolkenlosen Himmel abheben.
Tief atme ich die frische Sommerluft in meine Lunge und muss lächeln.
Noch Gestern lagen wir beide hier unter diesem Baum, küssten und lachten, schmiedeten Pläne und lagen uns in den Armen.
Ich schlucke, die Sehnsucht frisst mich auf. Die Gedanken an dich haben mich traurig gemacht. Du bist mir so nah und doch so weit weg.
Ich habe noch immer deine Stimme am Ohr: „Ich liebe dich“. Ganz zärtlich und ohne jede Forderung.
Ich sehe auch jetzt noch den Schimmer in deinen Augen.
Wie gern würde ich jetzt die Zeit zurückdrehen, doch das geht nicht. Du bist kaum ein paar Stunden weg und mich zerreißt es innerlich.
Ich kann es kaum erwarten dich wiederzusehen. Unsere Liebe, die nur im Verborgenen blüht, wachsen zu lassen.
Ich sehne mich nach dir, ich brauche dich, ich liebe dich.
Du bist mein süßes Geheimnis.

Donnerstag, 29. Mai 2014

Weisheit aus Erfahrung

Ich kenne dieses Zitat schon lange, aber eine vor kurzem im Internet gemachte Bekanntschaft hat es mir wieder ins Gedächtnis gerufen:


Wenn du etwas liebst, lass es los. 
Wenn es zu dir zurückkommt, gehört es dir. 
Wenn es nicht zurückkommt, hat es dir nie gehört.


Unbekannter Autor

Sonntag, 4. Mai 2014

Weisheit der Woche

Nicht verzweifeln, auch darüber nicht,
dass du nicht verzweifelst.
Wenn schon alles zu Ende scheint,
kommen doch noch neue Kräfte angerückt,
das bedeutet eben,
dass du lebst.

(Franz Kafka)

Mit ganz lieben Grüßen an B.!

Sonntag, 13. Oktober 2013

Kapitel 7: Maskerade

Ich sitze in meinem Bett. Du liegst halb bekleidet neben mir. Ich kann deine Enttäuschung fast körperlich spüren. Und ich empfinde Angst. Angst dich zu verlieren. Ich habe heute Nacht einen Fehler gemacht. Es tut mir alles so leid, doch ich kann es nicht ungeschehen machen.
Ich sehe dich an und wünsche mir, ich wäre stärker. Stark genug um mich meiner Liebe zu dir zu bekennen. Zu dem, was ich bin und was ich sein möchte.

Doch alles der Reihe nach. Es fing damit an, daß wir mit Liza und Fran in eine Karaoke-Bar gingen. Das ist ganz und gar nicht mein Fall. Leuten zuzusehen, die sich zum Affen machen. Möchtegern Sängern zuhören, so etwas war wirklich nicht mein Ding. Ich hatte dann immer das Gefühl des "Fremdschämens".
Aber Cassie stand auf diese Sache und so ging ich mit. Ein dummer Fehler, wie sich bald herausstellen sollte.
Es war eine Karaoke Bar in Downtown Manhatten für überwiegend schwul/lesbisches Publikum.
Wir bekamen einen Tisch nahe der Bühne, an dem schon zwei sehr nette und gutaussehende schwule Männer saßen. Und wie sich herausstellte, hatte Patrick die gleiche Einstellung zu Karaoke wie ich. Von da an versprach der Abend dann doch nicht so schlimm zu werden, da ich mit Patrick fröhlich drauflos lästern konnte. Cassie sah mich amüsiert an und legte ihren Arm um meine Stuhllehne. "Na mein Schatz, da hast du ja einen Gleichgesinnten gefunden." Ich sah sie lächelnd an, gab ihr einen Kuß auf die Wange und bestellte mir bei der attraktiven Kellnerin einen Cocktail.
Wider erwarten hatte ich doch viel Spaß. Bis Cassie mich anschaute und meinte: "Gleich bin ich dran."
"Dran? Womit?" Man, war ich begriffsstutzig.
"Mit singen."
Schlagartig wurde ich ernst. Ich starrte sie an und brachte keinen Ton heraus. "Das ist jetzt nicht dein Ernst?"
Cassie lachte ihr kehliges Lachen und schaute mir direkt in die Augen. "Oh doch, und das Lied ist nur für dich." Sprach es, lachte, gab mir einen Kuß auf den Mund und stand auf.
Ich hielt sie am Arm fest. "Cassie, bitte, das mußt du nicht tun."
Sie lächelte mich an, entzog mir sanft ihren Arm und ging in Richtung Bühne davon.
Mir wurde gleichzeitig heiß und kalt. Meine innere Stimme wollte mich beruhigen: 'Was stellst du dich so an. Das ist doch total süß von ihr. Das hat noch keine Frau für dich gemacht.'
Mir wurde schlecht. Ich stand auf und ging zur Theke. Dort bestellte ich mir einen doppelten Wodka. Kaum hatte die Barkeeperin ihn vor mir plaziert hatte ich ihn auch schon gekippt. Ich bestellte sofort einen zweiten.
Auf der Bühne machte der Moderator gerade seine Ansage: " Und nun für euch......Cassie!" Jubel, Applaus und mir wurde noch schlechter. Ich mußte so elend ausgesehen haben, das sogar die Barkeeperin besorgt fragte: "Alles in Ordnung, Schätzchen?"
Ich nickte nur. Von der Bühne: "Sie singt: The Best, von Tina Turner. Und wie sie mir gesagt hat (dramatische Pause).... für einen ganz besonderen Menschen." Wieder Gegröle, Jubel, Pfeifen und Applaus.
Als die ersten Töne zu dem Lied erklangen drehte ich mich langsam um. Ich lehnte mich mit dem Rücken gegen den Tresen weil ich Angst hatte umzufallen. Doch als Cassie den Mund öffnete und sang blieb mir dieser offen stehen. Ich hatte ja gar keine Ahnung das sie so eine tolle Singstimme hatte.
"Ist das nicht dein Mädchen da oben?" Das kam von der Barkeeperin hinter mir. Ich konnte nichts sagen und nickte nur schwach. Eigentlich hätte ich geschmeichelt sein können und doch war es mir peinlich.
Aus den Augenwinkeln konnte ich meine Freunde an unserem Tisch winken sehen. Ich tat so, als würde ich es nicht sehen.
Unfähig mich zu bewegen buffte mich plötzlich jemand von der Seite an. "Hi, was machst du denn hier?"
Ich drehte meinen Kopf nach rechts und sah in das Gesicht meiner Arbeitskollegin Jenny.
Innerlich stöhnte ich auf, nicht das auch noch. "Äh, hi, das könnte ich dich auch fragen", stotterte ich.
"Oh, meine Jogagruppe macht einen Mädelsabend. Und irgendwie sind wir hier gelandet. Ich war immer schon neugierig, wie es in diesen Kreisen abgeht."
"In diesen Kreisen?" Ich bestellte noch einen doppelten Wodka.
Sie beugte sich verschwörerisch zu mir rüber: "Na du weißt schon, Lesben eben." Sie kicherte.
Ich brauchte noch einen Doppelten.
Cory die Barfrau schaute mich schon mitleidig an. "Ach, so, hab ich gar nicht bemerkt."
Jenny stupste mich an. "He, wohl zu viel getrunken, was? Das sieht man doch auf den ersten Blick." Wieder dieses schrille Kichern. Wiederlich. Ich kippte meinen fünften doppelten Wodka.
"Wenn du es sagst." Meine Zunge wurde schon langsam schwer.
"Du bist doch nicht etwa allein hier?"
"Nein, ich bin mit Freunden da." Ich deutete wage in die Richtung unseres Tisches.
Plötzlich stand Cassie neben mir. "Na, wie hat es dir gefallen?"
Ich konnte nichts sagen und lächelte sie nur dümmlich an. Jenny schaute erst zu mir, dann zu Cassie.
Da ich keinerlei Anstalten machte sie vorzustellen preschte sie einfach selber vor, wie es ja nun mal so ihre Art war. Mit einem fröhlichen: "Hi, ich bin Jenny. Du hast toll gesungen" streckte sie Cassie Ihre Hand hin.
"Ach, ähm, sorry, Jenny, das ist Cassie, Cassie, das ist Jenny, eine Arbeitskollegin." Mir wurde schon wieder schlecht. Aber Jenny schien davon nichts zu bemerken. "Hi Cassie, wie gesagt, tolle Leistung."
"Danke, schön das es dir gefallen hat." Sie schaute mich an. Ich schaute zu Boden und wagte nicht mich zu bewegen. Ausgerechnet Jenny mußte mir hier über den Weg laufen. Die größte Tratschtante in unserem Büro. Ich hoffte inständig, daß sie nichts bemerken und das Cassie die Situation erfassen würde.
"Seid ihr zusammen hier?" Da war sie, die Frage die ich befürchtet hatte.
Cassie wollte ihr antworten doch ich kam ihr zuvor. "Tja, mehr oder weniger. Wir haben uns zufällig draußen getroffen. Cassie ist eine Freundin. Eigentlich mache ich mir nichts aus solchen Kneipen. Aber da ich gerade nichts anderes vor hatte....."
Mein Gott, was stotterte ich mir da für einen Unsinn zurecht. 
Ich lachte zu laut und zu unsicher. Cassie sah mich an, ich konnte den Schmerz in ihren Augen sehen, aber sie lächelte tapfer und spielte die Maskerade mit.
"Ja, wir haben Sandy draußen getroffen und sie überredet mit uns hinein zu gehen."
Sie schaute mich an. "So, seid mir nicht böse, aber ich werde mal zu meinen Freunden an den Tisch zurück gehen. Es war schön dich kennengelernt zu haben." Sie nickte Jenny zu und ging von dannen.
Ich schaute ihr nach und es zerriß mir das Herz, daß ich nicht zu ihr gestanden habe. Aber vor Jenny ging das auf gar keinen Fall. Und überhaupt, Cassie war doch immer damit einverstanden, das wir vor meinen Arbeitskollegen und Bekannten nur gute Freundinnen waren. Irgendwie war ihre Reaktion doch ein wenig übertrieben.
Ich wandte mich Jenny zu. "Ich dachte du treibst dich lieber da rum, wo es viele willige Männer gibt?"
Jenny lachte. "Ja, das schon, aber ich wollte kein Spielverderber sein und bin mit den Mädels mitgegangen."
Sie schaute sich um. "Ist ja auch ganz witzig hier."
"Witzig?" Blöde Kuh.
"Ja, und deine Freundin, man, wenn ich auf Frauen ständ, würde ich es glatt bei ihr versuchen."
Ich mußte husten. Ach du liebe Zeit. Wie gern ich ihr jetzt eine geklatscht hätte. Aber ich durfte mir nichts anmerken lassen. "Na dann, versuch doch einfach dein Glück." Wieso sagst du das?
Versonnen schaute sie zu Cassie hinüber. "Ja, vielleicht veruche ich es tatsächlich einmal. Ich stehe zwar nicht auf Frauen, aber man soll ja alles mal ausprobieren." Sie kicherte wieder. Der Abend war wohl schon sehr feucht für sie und ihre Freundinnen gewesen.
Plötzlich schaute sie mich an. "Du hast doch nichts dagegen, oder?"
Ich erstarrte. "Ich? Nein! Wieso? Sie ist eine gute Freundin, nicht mehr." Ich spürte, wie mir die Röte ins Gesicht stieg. Gut, daß es hier so schummrig war.
"Na, dann gehe ich mal zu deinen Freunden hinüber."
"Und was ist mit deinen Freundinnen?" beeilte ich mich zu sagen.
"Och, die kommen schon ganz gut allein zurecht." sprach es und ging.

Und wenn ich gedacht hatte, es könnte nicht schlimmer kommen, so hatte ich mich geirrt.
Ich traute mich nicht an unseren Tisch zurück, aus Angst, es könnte sich jemand verplappern. Jenny hatte es sich neben Cassie bequem gemacht und unterhielt sich schon seid einer halben Stunde angeregt mit ihr.
Das Singen hatte aufgehört und die Tanzfläche war mitlerweile eröffnet worden. Ich stand immer noch mit dem Rücken zum Tresen und hatte meinen ich weiß nicht wievielten Wodka in der Hand.
Einige Frauen hatten mich auch schon angeflirtet, doch ich hatte sie alle höflich abgewiesen. Ich starrte die ganz Zeit zu den beiden hinüber und ertrank in Selbstmitleid.
"Weißt du eigentlich was du da tust?" Die Stimme der Barfrau holte mich aus meinen trüben Gedanken. Ich drehte mich zu ihr um. "Was meinst du?"
Sie deutete mit dem Kopf in Cassies Richtung. "Da solltest eigentlich du sitzen."
Ich grummelte nur vor mich hin und bestellte mir noch einen doppelten Wodka.
Cory sah mich mitleidig an und meinte nur: "Ich denke, ein Kaffee wäre jetzt besser." Ohne meine Antwort abzuwarten ging sie und stellte kurz darauf eine Tasse dampfenden Kaffee vor mich auf die Theke.
Ich schaute sie nur an, nahm kommentarlos das heiße Getränk in beide Hände und nippte daran.
Der Kaffee tat gut. Ich bestellte mir noch ein Wasser dazu, welches ich in einem Zug austrank. Dann endlich fühlte ich mich bereit an unseren Tisch zurückzugehen. Ich drehte mich um und erstarrte in der Bewegung.
Da ich immer noch nicht ganz nüchtern war brauchte ich einen Moment um das, was ich sah, zu verarbeiten.
Cassie und Jenny eng umschlungen auf der Tanzfläche. Ich hatte immer gedacht, da ich meine Gefühle sehr gut im Griff hatte, dass ich nie Eifersucht empfinden würde. Aber nun wurde ich eines besseren belehrt. Mein Magen krampfte sich zusammen. Tränen schossen mir in die Augen, ich konnte kaum noch etwas durch den Schleier erkennen. Aber ich riss mich zusammen. Ganz die kontrollierte Person, die ich immer war. Nein, ich würde nicht weinen. Ist ja auch albern. Sie tanzen doch nur zusammen.
Was ist bloß mit dir los? Du bist doch sonst nicht so zart besaitet. Reiß dich zusammen Sandy!
Ich starrte die beiden unverhohlen an. Es sah so aus, als ob sich die beiden wirklich prächtig verständen.
Ich blieb wie angewachsen am Tresen stehen und hielt mich am Kaffee fest. Langsam drehten sie sich zur Musik und Cassies Blick fiel auf mich. Ihr Gesicht zeigte keine Regung. Sie sah mir fest in die Augen und zog Jenny noch etwas näher zu sich, falls das überhaupt noch möglich war.
Ich brauchte eine Zigarette. Mit unsicheren weitausholenden Schritten ging ich vor die Tür. Ich steckte mir eine Zigarette zwischen die Lippen und suchte mit zitternden Fingern nach meinem Feuerzeug. Wo steckte das verdammte Ding bloß? Ich suchte in all meinen Taschen, aber wurde nicht fündig.
Da stand plötzlich Cassie neben mir und hielt mir mein Feuerzeug vor die Nase. "Suchst du vielleicht das hier?" Ich nickte nur und sie gab mir Feuer. Ich saugte an der Zigarette als ob mein Leben davon abhinge.
Cassie sah mich direkt an. Ich konnte ihren Blick nicht erwidern.
Schweigend standen wir nebeneinander, Cassie auf die Straße starrend, ich rauchend und auf die Straße starrend.
Irgendwann konnte ich diese Stille nicht mehr ertragen und fragte, den Blick nach vorn: "Möchtest du wieder reingehen?"
Ich spürte wie Cassie mich von der Seite ansah. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis sie schließlich sagte:"Nein, ich würde gern nach Hause fahren." Ich nickte nur, ließ den Rest der Zigarette auf den Boden fallen, trat sie aus und wandte mich an Cassie.
"Kommst du mit zu mir?" Sie sah mich ein paar Sekunden an. Ich konne es regelrecht in ihr arbeiten sehen.
"Ja", war ihre knappe Antwort. "Ich hole nur noch meine Jacke, du kannst ja schon mal nach einem Taxi Ausschau halten."
Cassie sah mich an, "nein, ich gehe noch mal kurz rein und hole unsere Jacken. Ich möchte ja nicht, daß du deiner Arbeitskollegin in die Arme läufst. Nachher mußt du dir noch mehr Ausreden einfallen lassen."
Ich wollte etwas erwidern doch sie hatte sich schon umgedreht und war im Eingang zur Kneipe verschwunden.
Da stand ich nun auf der Straße, fühlte mich gräßlich, hätte am liebsten geheult. Doch ich riss mich zusammen. In solchen Situationen bin ich doch schon öfter geraten und es würde ganz bestimmt nicht die letzte sein. Aber irgendwie hatte ich diese Geheimnistuerei auch satt. Oder lag das am Wodka? Keine Ahnung, ich fühlte mich plötzlich so müde. Am liebsten hätte ich mich gleich hier auf den Gehweg gelegt und geschlafen.
Da stand Cassie wieder neben mir. Sie nahm wortlos meinen Arm und schob mich in Richtung eines Taxis. Ist schon eine Seltenheit mitten in der Nacht ein Taxi in New York zu bekommen. Aber mit Cassie hatte ich schon oft dieses Glück gehabt. Irgendwie hatte sie ein Händchen dafür.
Wir stiegen ein, Cassie sagte dem Fahrer meine Adresse und wir fuhren schweigend, nebeneinandersitzend zu mir nach Hause.
Noch heute Morgen hätten wir die Finger nicht voneinader lassen können. Selbst im Taxi hätten wir rumgeknutscht. Aber irgendwie stand eine Wand zwischen uns. Ich hätte schon wieder heulen können.
Es war wohl doch ein doppelter Wodka zu viel.
Nach einer gefühlsmäßig endlosen Fahrt waren wir am Ziel. Da ich ganz schön angeschickert war, bezahlte Cassie das Taxi, stieg aus und ging um den Wagen herum um mir rauszuhelfen.
Ich stolperte mehr als das ich ausstieg und fiel natürlich prompt in ihre Arme. Einen Moment klammerte ich mich wie eine Ertrinkende an sie und genoß die Nähe, die uns im Taxi gänzlich gefehlt hatte.
Cassie schlug die Tür zu und zog mich zum Hauseingang.
"Wo hast du den Schlüssel?" fragte sie mich und sah mir in die Augen. Ich kramte in meinen Taschen und fand ihn schließlich in meiner linken Gesäßtasche. Ich überließ ihn Cassie und schaute zu wie sie die Tür aufschloß. Dann wankte ich durch die Tür und versuchte einigermaßen heil die Treppe hinauf zu kommen.
Cassie ging hinter mir und paßte auf, daß ich auch heil oben ankam. Mir schossen Bilder durch den Kopf. Bilder auf denen Cassie und ich eng umschlungen, fummelnd, kaum die Treppe rauf kamen. Kichernd, küssend und lachend. Mir wurde plötzlich übel. Endlich waren wir oben angelangt. Cassie schloß die Tür zu meinem Loft auf und wir gingen hinein. Ich hielt mich am Kleiderständer fest, damit ich nicht umfiel.
Cassie sah mich an. "Alles ok mit dir?" Ich nickte bloß. Zu mehr war ich nicht in der Lage. Ich hatte Angst, wenn ich den Mund öffne muß ich mich sofort übergeben.
"Gut, dann laß uns ins Bett gehen. Es ist schon spät."
Ich trottete hinter Cassie her ins Schlafzimmer, zog mich aus, legte mich aufs Bett und war in Sekunden eingeschlafen, obwohl ich das Gefühl hatte, daß sich die Welt um mich dreht.
Mitten in der Nacht wurde ich wieder wach, ich mußte mich übergeben. Ich rannte so schnell ich konnte auf die Toilette und würgte mir die Seele aus dem Leib. Und noch während ich mich übergab, schwörte ich mir, nie wieder Wodka oder andere alkoholische Getränke in dem Maße zu trinken.
Nachdem ich mit der Bauchübung fertig war, blieb ich neben dem Klo sitzen. Es ging mir etwas besser. Schlecht war mir immer noch, aber nicht mehr so kotzübel. Ich atmete ein paarmal tief durch. Langsam verschwand die restliche Übelkeit. Ich schaute auf und sah Cassie in der Tür stehen.
"Alles ok?" Ihr Blick war besorgt. Ich versuchte zu lächeln. "Ja, hab mir nur gerade alles nochmal durch den Kopf gehen lassen." Schiefes Lächeln.
Cassie kam zu mir, packte mich unter den Armen und führte mich ins Schlafzimmer zurück.
"Cassie, was ist eigentlich heute Abend passiert?"
"Was meinst du?"
"Na ja, in der Kneipe. Du und Jenny...." Ich schaute auf die Bettdecke und spielte mit einem Zipfel.
"Sandy, laß uns schlafen, ich möchte jetzt nicht darüber reden."
"Aber,....."
"Bitte Sandy, es ist jetzt nicht die Zeit das auszudiskutieren. Laß uns später darüber reden."
Jetzt sahen wir uns an und ich konnte in ihrem Blick Zärtlichkeit aber auch Traurigkeit sehen.
"Ok, dann laß uns später darüber reden. Es tut mir so leid, Cassie."
"Wie gesagt, laß uns später reden." Sie lächelte mich verhalten an und legte sich hin. Sie drehte mir den Rücken zu und das zerriß mir fast das Herz.
Und nun sitze ich hier seid Stunden, schaue dich an, kann nicht schlafen und grüble über meine, unsere Situation nach.
Habe ich einen Fehler gemacht? Warum hat Cassie dieses Mal so stark reagiert? So sehr ich auch grübele, ich komme zu keinem Ergebnis. Wir müssen unbedingt miteinander reden.
Ich schaue dich an, deine Atemzüge sind ruhig und regelmäßig. Du schläfst. Bei mir ist nicht an Schlaf zu denken, obwohl mir der Wodka noch immer in den Knochen sitzt und vor allem im Kopf.
Ich brühre ganz sanft deine Schulter und sage, fast zu mir selbst: "Ich liebe dich doch....."
 








Samstag, 17. August 2013

Kapitel 6: Das Ende der Geschichte



Ich war auf die Dachterrasse gegangen um zu rauchen, schaute dem Sonnenaufgang über New York zu und hing meinen Gedanken nach. Hannah war schon vor einiger Zeit ins Bett gegangen. Wir hatten fast die ganze Nacht geredet und sie war müde, was ich gut verstehen konnte. Sie hatte mir nicht nur das am besten gehütete Familiengeheimnis verraten, sondern mir auch ihre Seele offenbart. Sie hatte über lang verdrängte Gefühle gesprochen und obwohl sie mir versicherte, das es ihr gut ginge, hatte ich doch den Eindruck, daß es sie mitgenommen hatte. 
Das Ende der Geschichte war wenig spektakulär. Hannah hatte Mandy nie mehr wiedergesehen. Sie war nach Paris verschwunden und hatte ihr nichts hinterlassen. Hannah hatte die Vermutung, das Mandy glaubte, sie würde sich gegen den Umzug nach Paris entscheiden. So hatte sie ihr die Entscheidung abgenommen.
Das stimmte mich ein wenig traurig. Ich schaute auf die verblassenden Lichter der Stadt und dachte an Cassie. Ich hatte plötzlich so große Sehnsucht nach ihr, wie ein körperlicher Schmerz.
Ich nahm mein Handy und wählte ihre Nummer.
Es klingelte einige male, bis sich schließlich eine verschlafene Stimme am anderen Ende meldete.
"Hallo Schlafmütze." Pause. "Sandy, bist du das?" Ich musste lächeln. "Wen hast du denn sonst erwartet?"
Pause. Ich hörte Cassie herzhaft gähnen. "Hast du mal auf die Uhr geschaut? Es ist kurz vor fünf Uhr."
"Nein, sorry, habe ich nicht. Ich hatte plötzlich nur ein wahnsinnig großes Verlangen nach dir."
Pause. "Dann hättest du einfach vorbei kommen sollen." 
"Du ahnst ja nicht, wie gern ich das jetzt machen würde. Aber ich möchte Hannah nicht allein lassen. Wir haben bis vor einigen Minuten noch geredet. Ich kann es gar nicht abwarten, dir das alles zu erzählen."
"Süße, kann das bis Morgen warten? Ich würde jetzt gern weiterschlafen." Und nach einer kurzen Pause: "Da du ja doch nicht kommst." Ich konnte ihr verschmitztes Grinsen regelrecht vor meinem inneren Auge sehen. 
"Ja Süße, natürlich, bitte verzeih' mir, das ich dich geweckt habe. Wir sehen uns Morgen."
"Baby, du kannst mich jederzeit anrufen, das weißt du doch. Schlaf gut, bis Morgen."
"Schlaf du auch gut. Und träum was Schönes, vorzugsweise von mir." Ich legte auf. 
Ich ging wieder hinein und räumte die Gläser und den Wein weg. Dann musste auch ich herzhaft gähnen und ging zu Bett. Aber ich konnte nicht einschlafen. Hannah's Geschichte ging mir immer wieder durch den Kopf. Nach einiger Zeit fiel ich in einen Traumlosen Schlaf.

Am Morgen weckten mich Geräusche aus der Küche. Ich sah auf die Uhr an meinem Bett. 10.23 Uhr. Ich ließ mich stöhnend zurückfallen. Die Tür wurde vorsichtig geöffnet. Ich machte ein Auge auf und sah in Hannah's strahlendes Gesicht. "Guten Morgen Kleine! Hast du gut geschlafen? Ich hab Frühstück gemacht, komm, setz dich zu mir. Der Kaffee ist schon fertig." 
Ich ließ den Kopf wieder in die Kissen sinken und versuchte wach zu werden. Es wollte nicht so richtig gelingen. Also schwang ich meine Beine aus dem Bett und ließ langsam den Rest des Körpers folgen. Verschlafen und mit zerzausen Haaren schlurfte ich in die Küche.
"Guten Morgen Hannah."
"Guten Morgen mein Schatz. Wie geht es dir?"
Ich sah sie aus zusammengekniffenen Augen an. "Oha, so schlimm?"
"Wie ich sehe geht es dir richtig gut."
Hannah lachte ihr helles sympathisches Lachen und reichte mir einen Becher Kaffee.
Ich nahm den Kaffee und schlurfte an ihr vorbei. "Ich brauch jetzt erstmal eine Kippe dazu."
Hannah folgte mir mit einem Kaffee auf die Terrasse. Sie setzte sich neben mich. "Gib mir auch eine."
Ich schaute sie verdutzt an. "Seit wann rauchst du denn?"
Hannah grinste mich an. "Ach, Mädchen, glaubst du, ich habe in meinem Leben nur eine Dummheit begangen?"
Ich reichte ihr mein Päckchen Zigaretten und wir steckten uns beide eine an. Kaffee trinkend und rauchend saßen wir nebeneinander und schauten auf die Stadt.
"Mit der Dummheit meinst du, das du dich auf Mandy eingelassen hast, nicht wahr?"
Hannah schaute mich an. "Nein, die Dummheit war, das ich nichts unternommen habe, um sie wiederzufinden."
"Also hast du sie doch vermisst?"
"Und wie. Ich wusste am Anfang nicht wohin mit meinem Schmerz. Aber der Mensch gewöhnt sich an alles und Erinnerungen verblassen irgendwann. Doch letzte Nacht war wieder alles da. Als ob es erst gestern war. Es war wieder alles so real. Für mich sehr überwältigend."
"Es hat dich getroffen?" Ich zog an meiner Zigarette.
Hannah trank einen Schluck Kaffee und sah mich an.
"Nein, es hat gut getan endlich mit jemandem darüber zu reden."
Wir schwiegen eine Weile. Ich hatte noch so viele Fragen, doch ich wollte sie nicht überfordern.
Dann spürte ich ihren Blick auf mir ruhen. Ich sah sie an. "Dir brennt doch bestimmt noch etwas auf der Seele."
"Na ja, ein paar Fragen hätte ich da schon noch."
"Dann schieß doch einfach los."
"Bist du sicher?" "Aber ja. Es macht mir jetzt nichts mehr aus, darüber zu reden."
Ich schaute auf die Stadt und dachte an Cassie.
"Hattest du nach ihr noch andere Frauen?" Doch dann bekam ich ein mulmiges Gefühl. "Sorry, wenn ich zu direkt bin brauchst du mir nicht zu antworten."
Hannah lachte. "Wie du weißt, hat es mir noch nie etwas ausgemacht über schlüpfrige Dinge zu reden."
Ich musste auch lachen. "Ja, das stimmt. So eine coole Tante wie dich gibt es so schnell nicht wieder."
Sie nahm mich in den Arm und drückte mich ganz fest an sich. "Ach Kleine, ich hab dich wirklich lieb. Wir beide sind uns in gewissen Dingen so ähnlich." 
Ich musste lachen. "Und in einem ganz speziell." 
Ich steckte mir noch eine Zigarette an und bot auch Hannah eine an. Sie nahm sie und wir beide lachten Lauthals.
"Nun, um deine Frage zu beantworten, ja, ich hatte nach Mandy noch andere Frauen. Und es war jedesmal wieder neu und interessant. Leider war aber auch die eine oder andere dabei, na ja, darauf hätte ich gern verzichtet."
"Oh, glaub mir, das kenne ich." 
"Aber wie kam es, das du Onkel Jack geheiratet hast? Wenn du doch eigentlich auf Frauen standest. Sorry, stehst. Oder?"
"Ja, ich mag nach wie vor Frauen." Sie schaute auf die Stadt. Ich ließ sie in Ruhe nachdenken.
"Das mit deinem Onkel, das ist eine ganz andere Sache. Wie du weißt, sind deine Großeltern sehr konservativ, das hat deine Mutter übrigens von ihnen übernommen. Sie sind sehr religiös und aktiv in der Gemeinde in der sie wohnen. Na ja, um es kurz zu machen, als ich nach dem Studium wieder nach Hause kam, versuchte ich meinen Eltern klar zu machen, das ich anders war. Denn in ihren Augen war lesbisch sein eben anders sein." Hannah zog an ihrer Zigarette.
Sie setzten mich moralisch unter Druck und irgendwann gab ich nach. Ich ging den leichteren Weg. Heute würde ich es anders machen, aber damals war ich finanziell noch abhängig von meinen Eltern. Manchmal hasse ich mich dafür, das ich so feige war. Aber hinterher ist man ja immer schlauer. Deinen Onkel Jack kannte ich schon von der High School. Er war schon damals sehr an mir interessiert. Mit ihm hatte ich auch mein erstes Mal. Ich arrangierte mich mit dieser Ehe und war zufrieden, aber nie richtig glücklich."
Ich legte meinen Arm um sie. 
Hannah holte tief Luft. "Versteh' mich nicht falsch, Jack und ich hatten auch gute Zeiten. Nicht alles war schlecht. Aber ich habe ihn nie geliebt. Respektiert ja, gemocht auch, aber nie geliebt."
"War das nicht sehr belastend für dich?"
"Nun, am Anfang schon, aber es wurde besser mit der Zeit."
"Wusste Onkel Jack, das du nicht in ihn verliebt bist?"
"Ich denke er hat es irgendwann geahnt. Aber wir haben nie darüber gesprochen.  Wir haben uns gegenseitig respektiert und unterstützt. Das war ok für uns."
Ich räusperte mich und trank von meinem Kaffee. "Wie war das mit dem Sex?"
"Tja, das ist auch so eine Sache. Wir hatten am Anfang natürlich Sex. Das war ich ihm schuldig. Er hatte mich schließlich aus den Klauen meiner Eltern gerissen und er sah über meine Eskapaden mit anderen Frauen hinweg."
"Das hat er mitgemacht? Tante Hannah, da tun sich ja Abgründe auf." Ich lachte. Mein Gott, ich hatte ja wirklich keine Ahnung.
"So schlimm war ich ja auch nicht. Ich war sehr diskret, ich denke, das Jack nicht direkt etwas davon mitbekommen hat. Aber wie gesagt, ich denke, er ahnte etwas. Aber er war so verliebt in mich, das er damit leben wollte und wohl auch konnte. Manchmal hatte ich schon Gewissensbisse. Aber ich konnte halt nicht gegen meine Natur ankämpfen. So war es auch schön unverbindlich. Keine Fragen, kein klammern, unverbindlicher Sex und tschüss."
Ich schaute meine Tante an. Ihr Mund lächelte, aber ihre Augen sahen traurig aus.
"Und das hast du all die Jahre durchgehalten? Nicht mal als Onkel Jack im sterben lag habt ihr darüber gesprochen?"
"Halt mich bitte nicht für herzlos. Nein, ich habe an seinem Sterbebett gesessen, seine Hand gehalten bis er den letzten Atemzug getan hat und habe dann", .............geweint. Bis ich keine Tränen mehr hatte. Er war mir in all den Jahren ans Herz gewachsen, wie ein sehr guter Freund. Ich liebte ihn auf meine Weise und ich trauerte auf meine Weise."
Hannah wischte sich eine Träne aus dem Auge. Dann schaute sie mich an und lachte. "Ich hoffe, du denkst jetzt nicht schlecht von mir."
Ich legte beide Arme um sie und gab ihr einen Kuss auf die Wange. "Ich hab dich lieb Tante Hannah. Ich würde nie schlecht über dich denken. Meine Meinung ist: Jeder hat das Recht, seine eigenen Fehler und Erfahrungen zu machen."
"Du bist lieb."
Die Türklingel ging. Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen und schrak hoch.
"Das müsste Cassie sein. Ich hab sie angerufen und zum Frühstück eingeladen. Ich hoffe das war ok?"
"Woher hattest du denn ihre Nummer?" 
"Nicht nur du kannst ein Handy benutzen", meinte Hannah und zwinkerte mir zu.
Ich ging zur Tür und öffnete. Vor mir stand Cassie, so schön und frisch wie immer. Sie hatte eine rote Rose in der Hand und überreichte sie mir. 
"Die schönste Blume der Welt für die schönste Frau der Welt."
Mir wurde heiß, vor Verlegenheit. Wie kitschig und doch so romantisch.
Sie zog mich an sich und gab mir einen innigen Kuss. "Na du Nachtschwärmerin. Das nächste Mal, wenn du mich so früh wach machst, erwarte ich dich persönlich." Sie grinste mich verwegen an.
"Darauf kannst du dich verlassen. Komm doch erstmal rein, Hannah und ich haben schon mit dem Frühstück angefangen."
Wir setzten uns an den Tisch, frühstückten ausgiebig, schwatzten über Gott und die Welt, lachten viel und dann ging Hannah, um ihren Koffer zu packen. Cassie und ich würde sie heute zum Bahnhof bringen.

Während Hannah packte, hatte ich Cassie von der letzten Nacht berichtet. Als ich die Geschichte beendete sagte sie: "Deine Tante ist eine mutige Frau."
"Mutig? Sie findet, das sie feige gehandelt hat."
"Nein, es ist sehr mutig, auf die Liebe seines Lebens zu verzichten, nur um es anderen Leuten recht zu machen. Einige mögen vielleicht sagen, dass es der einfachste Weg für sie war, aber ich denke, daß es sie sehr viel Mut gekostet hat."
Ich dachte einen Moment nach. "Ja, wenn man es so betrachtet, hast du tatsächlich recht."
Cassie lächelte mich an. "Ich habe immer recht." Sie zwinkerte mir zu.
Am späten Nachmittag fuhren Cassie und ich meine Tante zur Central Station. Am Bahnsteig nahm sie mich noch einmal in die Arme, drückte mich fest und flüsterte mir so leise, das Cassie es nicht hören konnte, ins Ohr: "Warte nicht zu lange, deine Liebe zu Cassie auch öffentlich einzugestehen. Sonst passiert dir das Gleiche wie mir."
Sie hielt mich ein wenig von sich weg und sah mir in die Augen. "Sei nicht so feige wie ich." Ich sagte nichts und drückte sie stattdessen herzlich.
Meine Tante bestieg den Zug und suchte ihr Abteil. Sie öffnete das Fenster um uns zum Abschied zu winken.
Der Zug fuhr los und Cassie ergriff meine Hand. Und einem alten Impuls folgend entzog ich sie ihr sofort wieder. Schließlich waren wir hier ja in der Öffentlichkeit. Cassie sah mich von der Seite an, aber ich traute mich nicht ihren Blick zu erwiedern.
Der Zug entfernte sich aus dem Bahnhof und Cassie und ich gingen in Richtung des Ausgangs.
"Deine Tante ist wirklich eine coole Socke. Und eine mutige Frau."
"Wenn du es sagst." Ich war in Gedanken schon wieder ganz woanders.