Hallo an alle die dies lesen.
Ich hoffe es geht euch gut. Ihr, eure Familie und Freunde seid gesung und ihr habt keinen geliebten Menschen verloren.
Wer hätte das vor ein paar Wochen gedacht? Ich denke Niemand.
Nun heißt es zusammenhalten und gegenseitig helfen und zur Seite stehen.
Hiermit möchte ich euch meine Situation erzählen und wie es weitergeht.
Keine Ahnung ob es jemanden interessiert, aber ich schreibe einfach mal darüber.
Über ein Feedback würde ich mich sehr freuen unter: dragonfly2020@mail.de.
Es begann in einem Land fern ab von uns. Wir schauten uns im Fernsehen die dramatische Entwicklung an, aber niemand ahnte, was noch kommen sollte.
Nun hat es die ganze Welt im Griff. Auch uns in Deutschland.
Täglich steigen die Zahlen der Infizierten und der Toten. Neue Gesetze müssen schnell verabschiedet werden, wir sollen nicht mehr vor die Tür und dürfen unsere Familie und Freunde nicht sehen. UM SIE ZU SCHÜTEN. Das ist ok und das trage ich mit.
Meine Eltern, die beide weit über 80 sind, gehen seit 2 Wochen nicht mehr vor die Tür. Meine Nichte und Ich versorgen sie mit Lebensmitteln. Es zerreißt mir das Herz, jedesmal wenn ich bei ihnen bin und nur mit 2 Meter Abstand mit ihnen reden kann. Aber, ich weiß, ich tue das um sie zu schützen.
Also schlucke ich das. Auch wenn es mir schwer fällt. Meinen Eltern geht es so weit gut, spazieren gehen können sie ja. Wenigstens etwas.
Beruflich habe ich auch noch Glück. Da ich in einem Betrieb arbeite wo wir elektronische Geräte verkaufen und auch reparieren, haben wir noch keine Kurzarbeit und noch genug zu tun. Der Laden ist zwar geschlossen, aber wir verkaufen noch am Telefon und die Kollegen, Hut ab, fahren zu den Kunden und liefern das Gewünschte. Auch Reparaturen vor Ort werden noch durchgeführt.
Also, alles in allem, haben wir wohl noch Glüch im Unglück.
Bedrückt bin ich immer wenn ich einkaufen gehe. Abstand halten, vorsichtig sein. Daran denke ich nicht immer. Muss mich erst noch dran gewöhnen. Aber das wird noch. Ich gehe davon aus, dass es noch länger so sein wird. Nutzt aber nix, da müssen wir durch.
Mit meinen Freunden halte ich regen Kontakt über Whatsapp. Eine Party nach Corona ist schon geplant. Da geht`s dann richtig ab. Freue mich schon sehr darauf.
Was sehr weh tut ist, dass ich meinen Schatz nicht sehen kann. Da sie im Osten Deutschlands wohnt, ist es nicht möglich, das sie mich besucht. Wir telefonieren jeden Tag und whatsappen. Ist zwar nur ein klein Trost, aber immerhin.
Da müssen wir jetzt durch. Ist halt nicht zu ändern. Aber, wir schaffen das.
Wir alle sollten jetzt unseren Beitrag leisten. Bleibt zu Hause, reduziert die sozialen Kontakte auf ein Minnimum und bleibt gesund.
Ich werde euch weiter berichten......
Sonntag, 5. April 2020
Mein Schatz am Ende des Regenbogens (Fortsetzung)
2
Ich dachte, ich hätte sie durch mein unfreundliches Verhalten vergrault.
Tja, dachte ich, auch nicht schlimm. Doch da hatte ich mich getäuscht und die Rechnung ohne Maren gemacht.
Nachdem einige Zeit vergangen war, bekam ich dann doch wieder eine Nachricht von ihr.
Irgendwie hatte ich schon damit abgeschlossen, doch erstaunlicherweise freute ich mich darüber.
Nach einigem Zögern antwortete ich darauf.
Es war nur eine Art von Smalltalk, "Hallo, wie geht es dir?", "Danke, mir geht es gut." usw.
Nach einigen Tagen fanden wir dann aber doch den Weg, über meine Reaktion zu reden.
Sie erzählte mir, wir sehr sie meine Worte verletzt hatten. Ich bekam einen Stich ins Herz und bereute meine Worte und versuchte ihr zu erklären, warum ich so gehandelt hatte.
Sie zeigte viel Verständnis dafür. Unser Schriftverkehr wurde dann wieder reger.
Irgendwann mache sie dann den Vorschlag, dass wir doch auch telefonieren könnten.
Schock! Telefonieren??? Das wäre ja dann wieder ein Schritt nach vorn. Wollte ich das?
Ich grübelte länger darüber nach. Schließlich entschloss ich mich zuzusagen.
Ich muss heute noch lächeln, wenn ich an unser erstes Telefonat denke.
Maren war total aufgeregt, und das hörte man auch am Telefon. Da ich auch beruflich viel telefonieren muss war es für mich nicht ganz so aufregend.
Nachdem einige Worte gewechselt wurden konnte ich hören, wie sie sich entspannte. Es war ein sehr schönes, entspanntes Telefonat. Wir haben viel gelacht und über alles mögliche gsprochen.
Obwohl das Gespräch sehr angenehm verlaufen war, dauerte es wieder einige Zeit, bis wir wieder persönlich miteinander sprachen.
Fortsetzung folgt....
Sonntag, 25. September 2016
Mein Schatz am Ende des Regenbogens (unsere wahre Geschichte)
Dies
ist die wahre Geschichte einer Frau, die längst aufgegeben hatte, an die Liebe
zu glauben und einer Frau, die immer an dem Glauben, die Liebe existiert
irgendwo da draußen, festgehalten hat. Und diese Geschichte ist noch nicht zu
Ende.
1
Da stand ich nun, am Bahnsteig 1 unseres
kleinen Bahnhofes. In ein paar Minuten
sollte der Zug einfahren und in diesem würde sie sitzen. Ich war nicht wirklich
aufgeregt, zumal ich noch vor einer guten Stunde einen Disput mit meinem Chef
hatte. Wir hatten zwar abgesprochen, dass ich eine Stunde eher Feierabend
machen kann, damit ich mich noch frisch machen konnte, doch er meinte plötzlich seine
Meinung ändern zu müssen und knallte mir an den Kopf, dass eine halbe Stunde wohl auch reichen würde. Da
wusste ich noch nicht, dass ihr Zug Verspätung hatte. Also diskutierte
ich ziemlich energisch mit ihm. Nach einigem hin und her hat er schließlich
nachgegeben und ich durfte gehen. Deshalb war meine Laune jetzt nicht auf dem
Höhepunkt, aber ich freute mich trotzdem schon sehr auf meinen, noch unbekannten,
Besuch.
Ich war viel zu früh am
Bahnhof, für mich eigentlich nicht üblich, und prompt hatte der Zug 10 Minuten
Verspätung. Da es Februar war und die Temperaturen dementsprechend kalt,
blieb ich im Bahnhofsgebäude stehen und beobachtete die Menschen, die dort ein
und aus gingen.
Ich kann gar nicht mehr wirklich sagen,
was mir so alles durch den Kopf ging. Aber ich dachte schon darüber nach, wie
ich sie begrüßen sollte, wie sie wohl auf mich zukommen und wie unser
erstes Treffen ablaufen würde.
Dann ertönte die Durchsage und kündigte
die Ankunft des Zuges an. In diesem Moment wurde mir bewusst, nun gibt es
kein Zurück mehr. Jetzt steigt sie gleich aus dem Zug. Mein Herz schlug
etwas schneller und die Aufregung stieg.
Aber ich greife zu weit vor, ich sollte
die Geschichte von Anfang an erzählen:
Ich hatte immer schon viel Spaß am
schreiben. Habe so für mich kleine Geschichten geschrieben, die nie Jemand zu
lesen bekam. Einmal habe ich allerdings eine Weihnachtsgeschichte geschrieben,
die dann auch tatsächlich in unserer hiesigen Tageszeitung veröffentlicht
wurde.
Irgendwann hatte ich dann die Idee,
einen Blog zu schreiben, vielleicht gäbe es ja Menschen, die tatsächlich das,
was ich da von mir gäbe, interessant fänden.
Also, gesagt getan, richtete ich mir einen
Blog ein und fing an über meine Gedanken und Fantasien über lesbische Liebe zu
schreiben.
Ich, Sandy, war da 53 Jahre jung, war nie
verheiratet, hatte keine Kinder und war mit meinem Single-Dasein völlig
zufrieden. Zumindest bis zu diesem einen gewissen Zeitpunkt. Aber dazu später
mehr.
Nachdem ich den Blog eingerichtet
hatte, schrieb ich fröhlich drauflos. Gedanken, Geschichten oder auch Gedichte,
die ich schön fand.
Mir machte das Schreiben sehr viel Spaß
und am Anfang machte es mir auch nichts aus, dass sich niemand zu meinen
schriftlichen Ergüssen äußerte. Doch nach einigen Monaten, hatte ich die witzige Idee, es wäre doch schön,
wenn ich den einen oder anderen Kommentar zu meinen Geschichten bekäme. Doch
leider blieben diese nach wie vor aus. Also startete ich im Februar 2014, am
Ende einer Geschichte, einen Aufruf. Ich schrieb meine Email-Adresse und
folgenden Text: Ich freue mich über jeden Kommentar, jede Anregung oder einfach
nur über ein Hallo.
Ich freute mich schon tierisch auf die
vielen Kommentare. Aber, es geschah zunächst nichts. Nach einigen Tagen hörte
ich dann auch auf, jeden Tag in mein Postfach zu schauen. Aber ich lies mich
nicht beirren, ich schrieb nach wie vor in unregelmäßigen Abständen über meine
Gedanken und meine Fantasien. Schließlich schrieb ich ja in erster Linie für
mich.
Und dann kam der Tag, der mein ganzes
Gefühlsleben auf den Kopf stellen sollte.
Am sechsten April schickte mir eine
Frau, nennen wir sie Maren, eine Mail.
Ich war total aus dem Häuschen, endlich
eine Reaktion auf meinen Blog.
Ihre Nachricht war recht kurz, doch ich
freute mich trotzdem sehr darüber:
Hallo
Sandy, habe deinen Artikel Heute gelesen und fand ihn sehr ansprechend. Es geht mir ähnlich wie dir und möchte mich
deshalb mit dir austauschen. Ich bin Mitte 40 und im sozialen Bereich tätig und
lebe in einer festen Beziehung mit einem Mann. Ich kann daran auch nichts
ändern. Meine Gedanken und Gefühle kennt niemand und darf auch niemand
erfahren. Vielleicht antwortest du ja mal. Bis dann. Maren.
Obwohl diese Nachricht nur ein paar
Zeilen enthielt, las ich sie mehrmals. Ich freute mich wie ein Kind und
antwortete ihr drei Tage später (hatte die Mail erst später gelesen):
Hallo Maren,
zunächst einmal vielen Dank für deine Nachricht.
Gern tausche ich mich mit dir aus. Wenn ich deine
Nachricht lese, beschleicht mich das Gefühl, dass du mir viel zu erzählen hast.
Aber das gilt ja auch für mich.
Ich bin Anfang 50 und schon lange in keiner festen
Beziehung mehr. Irgendwie hat mir immer etwas gefehlt, oder ich war die Männer
nach einer Weile leid.
Das hört sich jetzt vielleicht herzlos an, doch heute
weiß ich, warum es so war.
Ich freue mich jetzt schon sehr auf einen regen
Austausch mit dir.
Liebe Grüße Sandy
Aus diesen beiden Mails entwickelte sich
ein reger Austausch. Erst nur alle paar
Tage, manchmal lagen sogar Wochen dazwischen, dann wurden die Abstände immer
kürzer bis wir schließlich zu SMS übergingen.
Ich lernte sie immer besser kennen. Wir
tauschten uns über alles Mögliche aus. Erzählten uns Dinge, die wir sonst
niemandem erzählen konnten. Ihr Stil gefiel mir, hatte ich mich doch schon oft
mit Männern ausgetauscht, die ich über Singleseiten kennengelernt hatte. Da hatte
ich oft die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.So grausig war die Grammatik oder das was sie schrieben. Allerdings galt dies auch für einige Frauen mit denen ich gechattet hatte.
Sie schrieb sehr freundlich, höflich und
humorvoll und all das gefiel mir sehr.
Doch mein Handicap war, dass ich in der langen Zeit meines Singledaseins eine dicke Mauer um mich herum gebaut hatte, um nicht verletzt oder
enttäuscht zu werden. Ich hatte einfach keinen Bock mehr auf Herzschmerz und
all das Gesülze. Und ausßerdem wusste ich nicht so recht, was ich mit meinen Gefühlen für Frauen anfangen sollte. Stand ich nun wirklich auf Frauen? Mit allem drum und dran? In dieser Hinsicht war ich noch sehr unsicher. Also habe ich, als ich das Gefühl bekam, die ganze Sache wird
zu persönlich, bzw. sie könnte mir zu nahe kommen, sie derbe vor den Kopf gestoßen.
Ich weiß nicht mehr genau was sie
geschrieben hatte, mittlerweile waren wir schon zu Whatsapp übergegangen,
jedenfalls sinngemäß, dass sie mich vermisst hätte. Ich schrieb darauf: „Ich
dich nicht.“ Mehr nicht. Darauf folgte von ihr nur Schweigen. Was hätte sie auch
darauf sagen sollen. Aber ich setzte noch eins drauf. Ich schrieb noch
hinterher: „Du brauchst jetzt nicht die Beleidigte spielen. Aber keine Antwort
ist auch eine Antwort.“
Bumm. Da war es raus. Damals dachte ich,
ich hätte das Richtige getan. Meine Freiheit beschützt, mein Singledasein
erhalten und…….mein Gott, war ich blöd damals.
Damit, so hat sie mir später erzählt,
hatte ich sie ganz schön getroffen. Das war mir damals aber nicht bewusst.
Heute, wenn wir uns manchmal noch darüber unterhalten, habe ich immer Tränen in
den Augen, weil mir das so unendlich leid tut. Nur damals wusste ich nicht, was
ich damit bei ihr anrichte. Und mir erschien es richtig. Also war dann erst mal Funktstille.
Fortsetzung folgt
Sonntag, 13. Dezember 2015
Eine kleine Weihnachtsgeschichte
Das
Glöckchen
Es begab
sich vor langer Zeit. Dicht fiel der Schnee in der bitterkalten Dezembernacht
auf die hohen Wipfel der Tannen. Kein Geräusch drang durch den tiefen Schnee zu
dem kleinen Haus am Waldesrand. Dort lebte die achtjährige Rosemarie mit ihrer
alten Großmutter.
Rosemarie
stand am Fenster und schaute den tanzenden Schneeflocken zu, während die
Großmutter das Essen zubereitete. Plötzlich vernahm Rosemarie ein helles
Klingeln. Zunächst dachte sie, sie hätte sich getäuscht, doch da war es schon
wieder, sie konnte es deutlich vernehmen.
„Großmutter,
Großmutter!“ Mit langsamen, schlurfenden Schritten näherte sich diese dem
Fenster. „Was ist denn mein Kind?“ „Komm, komm schnell. Ich habe ein Glöckchen
gehört.“ „Ein Glöckchen? Aber Rosemarie, wo soll denn hier ein Glöckchen
herkommen? Hier ist doch weit und breit Niemand.“
„Doch
Großmutter. Ich habe es sehr deutlich vernommen. Es war zwar sehr leise aber
ich habe es gehört. Es kam von dort, wo der Weg in den Wald führt.“
Sie wies mit
ihrer kleinen Hand in die angegebene Richtung.
„Ach, meine
Kleine. Du hast dich bestimmt verhört. Da draußen ist doch nichts. Komm jetzt
zum Essen, sonst wird es noch kalt und das wäre sehr schade.“
Aber
Rosemarie hörte nicht auf ihre Großmutter, warf sich ihren Wollumhang über die
Schultern, nahm die Laterne vom Haken neben der Tür, öffnete diese und stapfte
in den hohen Schnee hinaus. Sie richtete den Lichtschein auf den Waldweg der zu
ihrer Hütte hinauf führte.
Zuerst
konnte sie nichts erkennen, ihre Augen mussten sich erst an die Dunkelheit
gewöhnen. Langsam ging sie Schritt für Schritt weiter. Plötzlich erschrak sie.
Beinah hätte sie die Laterne fallen gelassen.
Zwei funkelnde Augen, hell wie
Bernstein, leuchteten ihr entgegen. Sie hob die Laterne noch etwas an und
erkannte dann ein kleines, schwarzweiß geflecktes Kätzchen. Es sah sehr
abgemagert aus und schaute sie verschreckt an. Rosemarie erkannte, dass dieses
Kätzchen um den Hals ein rotes Band trug und an diesem Band hing ein kleines
Glöckchen. Langsam und vorsichtig näherte sich Rosemarie ihm. Doch sobald sie
einen Schritt nach vorn machte, sträubte das Kätzchen sein Fell und scheute
zurück. Mit leiser Stimme sagte Rosemarie: „Hallo, wo kommst denn du her? Du
brauchst keine Angst vor mir zu haben, ich tue dir nichts. Ich möchte dir
helfen. Du siehst aus, als ob du schon länger keine richtige Mahlzeit mehr
bekommen hättest.“
Das Kätzchen
legte den Kopf schief, als ob es jedes Wort verstehen würde, miaute kleinlaut
und ließ es zu, dass Rosemarie sich ihm näherte. Aber das struppige Fell
sträubte sich immer noch. Behutsam streckte Rosemarie ihre kleine Hand aus um
es zu streicheln und das Kätzchen ließ es zu. Schaute aber immer noch etwas
ängstlich aus seinen großen leuchtenden Augen. Doch schließlich legte sich das
struppige Fell und es fing sogar an zu schnurren.
Schließlich
nahm Rosemarie das Kätzchen ganz behutsam auf den Arm. Sie konnte spüren, wie
abgemagert es war. Eng schmiegte sich der ausgemergelte kleine Körper an den
ihren. „Gleich wird dir wieder warm werden und dann bekommst du auch etwas Leckeres
zu essen, “ flüsterte Sie dem Kätzchen ins Ohr.
Schnell lief
sie zur Hütte zurück, trat ein und setzte sich mit ihrem Findelkind an den
großen Kachelofen.
„Wen hast du
denn da gefunden?“ fragte ihre Großmutter und sah mit traurigem Blick auf den
armseligen Körper. Sie schlurfte zum Küchenschrank und nahm eine kleine
Schüssel heraus, stellte sie vor den Ofen und gab etwas Milch hinein.
Rosemarie
setzte das Kätzchen auf den Boden und zog die Schüssel etwas näher heran.
Vorsichtig näherte sich das Kätzchen, schnupperte, lief um die Schüssel herum
und fing langsam an zu schlecken. Rosemarie strahlte ihre Großmutter an. „Na,
dir schmeckt es aber sehr gut. Friss dich nur richtig satt.“
Die
Großmutter neigte denn Kopf, „wo es wohl her kommt? Es sieht sehr abgemagert
aus. Ob es ausgesetzt wurde?“
„Tja, es
muss weit gelaufen sein, der nächste Hof ist hinter dem Wald.“
Die Großmutter
streichelte das Kätzchen und schaute Rosemarie an. „Was machen wir denn nun mit
ihm?“
Rosemarie
sah sie mit flehenden Augen an. „Können wir es nicht behalten? Wir können es
doch nicht in den Schnee zurückschicken. Es würde elend eingehen.“
„Schon gut,
schon gut“, lachte ihre Großmutter, „das würde ich auch nicht übers Herz
bringen. Wo zwei satt werden, wird auch noch ein dritter satt.“
Rosemarie
sprang auf, nahm ihre Großmutter in den Arm und sprach mit tränenerstickter
Stimme: „Danke, danke, danke.“
„Kind, nicht
so stürmisch, du erwürgst mich ja noch. Schließlich kann es sich, wenn es älter
ist, mit der Jagd auf Mäuse nützlich machen.“
„Ich
verspreche dir, ich werde mich gut um es kümmern.“
„Nun da wir
das geklärt hätten, wie willst du es denn nennen?“
Rosemarie
hob das Kätzchen auf und setzte sich an den Küchentisch. Nachdenklich
streichelte sie das struppige Fell. Dann sah sie ihre Großmutter an.
„Ich denke,
ich werde es Glöckchen nennen. Ja, das ist genau der richtige Name, wenn man
bedenkt wie ich es gefunden habe.“
„Mmmhh, ja
ich denke das passt. Also, Rosemarie und Glöckchen, lasst uns zu Abend essen.“
Es vergingen
die Tage. Weihnachten kam immer näher und Glöckchen erholte sich zusehends. Es
wurde größer und kräftiger. Als Rosemarie und ihre Großmutter eines langen
Winterabends, kurz vor Weihnachten, am Kachelofen saßen, das Kätzchen zu ihren
Füßen, hörte Rosemarie ein Geräusch. „Großmutter, ich habe draußen etwas
gehört.“ Die Großmutter sah auf und legte ihr Strickzeug zur Seite. „Bist du
sicher? Ich kann nichts hören.“
Rosemarie
stand auf und lief zum Fenster. Sie sah in die verschneite Nacht hinaus und
konnte bei dem dichten Schneetreiben zunächst nicht viel erkennen. Aber
irgendwie ließ sie das Gefühl nicht los, das da draußen jemand war. Angestrengt
versuchte sie das Schneegestöber mit den Augen zu durchdringen. Um ihre Beine
schmiegte sich Glöckchen und schnurrte zufrieden vor sich hin. Plötzlich blieb
es stehen, lauschte, lief zur Tür und miaute lautstark los. Jetzt stand auch
die Großmutter aus ihrem alten Schaukelstuhl auf und schlurfte zum Fenster. Sie
stellte sich hinter Rosemarie und schaute mit zusammengekniffenen Augen hinaus.
„Ich kann
nichts erkennen. Hast du schon etwas entdeckt?“
„Nein,
bisher nicht, aber Glöckchen benimmt sich so komisch, findest du nicht?“
Plötzlich
tauchte aus den dichten Schneeflocken eine Gestalt auf. In der Hütte hielten
beide den Atem an. Sie kam immer näher auf das Häuschen zu. Da rief Rosemarie: „Das
ist der Bauer Klöpfel. Schau Großmutter, aus dem Nachbardorf.“
Die
Großmutter sah genauer hin. Tatsächlich, es war Alois Klöpfel. Sie schlurfte
zur Tür. Bauer Klöpfel lehnte gerade seinen Wanderstock an die Hüttenwand und
klopfte sich den Schnee von den dicken Stiefeln. „Hallo ihr zwei, “ rief er,
drückte Rosemarie herzlich an seine Brust und gab der Großmutter einen
kräftigen Händedruck. „Hallo Alois, was führt sie bei diesem Wetter zu uns?“
„Nun, ich
wollte mal sehen, wie es euch geht. Ob ihr noch nicht eingeschneit seid.
Schließlich schneit es schon seit Tagen ununterbrochen. Ich dachte, ich sehe
mal nach dem Rechten.“
„Ach, uns
geht es gut. Schauen sie mal was ich im Wald gefunden habe, “ rief Rosemarie
und hob Glöckchen auf ihren Arm.
„Oh, die ist
aber niedlich.“ Der Bauer wandte sich an die Großmutter: „Es gibt noch einen
anderen Grund, weshalb ich gekommen bin Oma Gangler. Es war ein Mann auf
unserem Hof. Er hat nach euch gefragt. Er kam mit einem großen Schlitten der
von sechs Rentieren gezogen wurde und hoch beladen war. Er hatte einen langen
Bart und einen knöchellangen Mantel an. Ich habe versucht herauszubekommen was
er von euch will, doch er schwieg sich in dieser Richtung aus. Er bat mich, ihm
den Weg zu beschreiben. Ich habe mich sofort auf die Socken gemacht, über meine
Schleichwege, quer durch den Wald, um eher hier zu sein. War er schon hier?“
„Nein“, antwortete die Großmutter, „hier war niemand.
Wir haben seit Tagen keine Menschenseele gesehen.“
„Dann bin
ich ja noch rechtzeitig gekommen, um euch zur Vorsicht zu mahnen. Er machte
zwar einen sehr netten Eindruck, aber man weiß ja nie. Er erwähnte noch, dass
er etwas verloren hätte.“
Die
Großmutter stemmte die Hände in die Seiten. „Tja, wenn er etwas will, wird er
schon kommen. Bei uns ist nichts zu holen. Wir bieten ihm gern einen Platz an
unserem Kachelofen und eine heiße Suppe an. Komm Alois, setzen sie sich zu uns
an den Ofen und wärmen sie sich auf.“
„Ja,
Großmutter, gib ihm doch eine Tasse von deiner leckeren heißen Schokolade.“
„Oh, das
wäre schön, die wärmt mich bestimmt von innen wieder auf.“
Der Bauer
setzte sich auf die Ofenbank und nahm dankend die Tasse mit der dampfenden
Schokolade entgegen. Rosemarie und ihre Großmutter setzten sich zu Bauer
Klöpfel und alle drei spekulierten noch eine Weile über den fremden Mann.
Wie sie da
noch saßen und rätselten, was dieser Mann wohl von ihnen wollte, hörten sie
draußen plötzlich helle Schellen erklingen. Gefolgt von einem lauten „Hoooohhh!“
Die drei
sahen sich erstaunt und auch ein klein wenig erschrocken an. Dann klopfte es
lautstark an die Tür. Klong, klong, klong!
Es war laut,
bestimmend, aber auch irgendwie freundlich.
Als erste
erwachte die Großmutter aus ihrer Erstarrung. Sie schlurfte zur Tür, dicht
gefolgt von Rosemarie. Vorsichtig öffnete sie diese und draußen stand der Mann,
den Bauer Klöpfel beschrieben hatte. Rosemarie versteckte sich hinter ihrer
Großmutter und schlug ihre kleine Hand ängstlich vor den Mund.
Der Mann
begann mit einer tiefen wohltönenden Stimme zu sprechen: „Guten Abend
Großmutter Gangler, hallo Rosemarie, ach, und Bauer Klöpfel ist auch da. Das
ist schön, dass ich sie hier wiedertreffe.“
Er schaute
auf die Großmutter herab, lächelte und reichte ihr seine große Hand.
Freundlich
fragte er: „darf ich eintreten?“ Mit einem herzlichen Händedruck schritt der
Unbekannte große Mann an der Großmutter vorbei und betrat die Stube. Glöckchen
wurde ganz unruhig auf Rosemaries Arm, fing an zu miauen und wollte unbedingt
auf den Boden. Da sich das Kätzchen wie wild gebärdete setzte sie es ab. Kaum
stand es auf seinen vier kleinen Pfoten lief es auf den großen Mann zu. Er fing
an zu lachen und beugte sich, sichtlich überrascht, zu ihm hinunter. „Hier
steckst du also. Ich habe dich im ganzen Land gesucht. Das ist ja eine tolle
Überraschung.“
Rosemarie
bekam den Mund vor Staunen nicht mehr zu. „Ist das etwa dein Kätzchen?“ Der
Mann packte Glöckchen am Nacken und hob es auf seinen Arm. Er kraulte ihm den
Nacken und es fing sofort an zu schnurren.
„Ja, ich
habe es auf meiner langen Reise irgendwo verloren. Ich habe es leider erst zu
spät bemerkt. Ich wusste nicht mehr, wo ich suchen sollte. Es war wie vom
Erdboden verschwunden.“ Zu dem Kätzchen sagte er: „Ich bin so froh, dass ich
dich wieder habe.“ Als ob Glöckchen ihn verstehen könnte, schmiegte es seinen
Kopf an seine breite Brust. „Wie ist es hierhergekommen?“ fragte er an
Rosemarie gewandt.
„Ich habe es
im Wald vor unserer Hütte gefunden. Es war ganz ausgemergelt und sein Fell war
ganz struppig. Ich bin durch das Glöckchen um seinen Hals auf es aufmerksam
geworden. Wir haben es aufgenommen und wieder aufgepäppelt. Es hat sich schon
sehr gut erholt.“
Der Mann
brummte zufrieden. „Ja, das kann ich sehen. Es sieht sehr zufrieden aus.“
Die
Großmutter bat den stattlichen Mann doch am Küchentisch Platz zu nehmen. Sie
reichte auch ihm eine Tasse von ihrer leckeren heißen Schokolade. Da sie ihn
alle mit großen Augen anschauten, begann der unbekannte, aber doch irgendwie
faszinierende fremde Mann, seine Geschichte zu erzählen.
Er war in
der ganzen Welt herumgereist und das alles mit seinem großen Rentierschlitten.
Rosemarie bekam den Mund vor Staunen nicht mehr zu. All die tollen Geschichten
aus den weit entfernten Städten. Auch die Großmutter und Bauer Klöpfel
lauschten aufmerksam den Erzählungen des Mannes. Rosemarie schaute den Fremden
verstohlen von der Seite an, sie wusste sicher, sie hatte ihn noch nie gesehen,
und doch kam er ihr irgendwie bekannt vor.
Komisch,
aber je mehr sie darüber nachdachte, umso vertrauter wurde er ihr. Sie
schüttelte unmerklich den Kopf, um diese absurden Gedanken zu verscheuchen. Der
Mann beendete gerade seinen Reisebericht und stand auf.
„So, nun
habe ich eure Gastfreundschaft lange genug in Anspruch genommen. Aber bevor ich
mich wieder auf den Weg mache, möchte ich euch noch etwas Gutes tun. Ihr habt
so lieb auf mein Kätzchen geachtet und es behütet.“
Und mit
einem Zwinkern in Rosemaries Richtung fügte er noch hinzu: „Und außerdem ist ja
bald Weihnachten.“ Er stupste mit seinem Zeigefinger auf Rosemaries Nase. Sie
musste unwillkürlich kichern.
„Ich gehe
nur mal schnell zu meinem Schlitten, bin sofort wieder da.“ Sprachs
und verließ
die Hütte. Nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hatte stapfte er durch
den tiefen Schnee zu seinem Gefährt.
Die drei
Menschen in der Hütte sahen sich an. „Unglaublich, aber irgendwie habe ich das
Gefühl, ich kenne ihn“, sinnierte Bauer Klöpfel und strich nachdenklich über
seinen zotteligen Bart. Die Großmutter sagte gar nichts, nahm die Tasse des
Fremden und stellte sie zum Abwasch in die Schüssel. Die Tür öffnete sich und
der Fremde betrat wieder die Hütte. Über die Schulter hatte er einen großen
Sack aus Jute geworfen, er war prall gefüllt. Er nahm ihn herunter und stellte
ihn auf den Tisch in der Stube. „Hier sind ein paar Lebensmittel drin, die euch
für einige Zeit durch den harten Winter bringen werden.“
Mit einem
Augenzwinkern in Rosemaries Richtung fügte er noch hinzu: „und außerdem noch
ein paar Süßigkeiten für dich.“
„Es sind
auch noch einige nützliche Dinge enthalten. Ich hoffe, ich habe das Richtige
eingepackt.“ Er stellte den schweren Sack neben den Kachelofen und wandte sich
wieder den dreien zu. „So ihr Lieben, nun muss ich aber wirklich aufbrechen.
Ich bin noch nicht am Ende meiner Reise.“ Er schritt auf die drei zu und gab
einem nach dem anderen die Hand. „Ich wünsche euch ein friedvolles
Weihnachtsfest und einen ruhigen Start in das neue Jahr.“ Mit diesen Worten
winkte er allen zu und ging aus der Tür, die schwer hinter ihm ins Schloss
fiel. Die drei Zurückgelassenen schauten sich einen Moment an und liefen dann
zum Fenster. Aber obwohl es nicht mehr schneite konnten sie ihn draußen nicht
entdecken. So angestrengt sie auch schauten. In der Ferne hörten sie leise
Schellen klingen. Niemand von den dreien sagte etwas. Nach einer Weile sprach
Rosemarie nachdenklich in die Stille hinein: „Glaubt ihr eigentlich an den
Weihnachtsmann?“ Die Großmutter und Bauer Klöpfel schauten sich an, dann wieder
aus dem Fenster und dann zu Rosemarie.
Draußen fiel
wieder leise der Schnee………
E N D E
Sonntag, 8. März 2015
Die Prinzessin auf dem weißen Pferd - Ein modernes Märchen
Es
war einmal, vor gar nicht allzu langer Zeit, da lebte eine Frau mittleren
Alters, mit goldenen Haaren und blauen Augen. Sie lebte ganz allein in ihrer
kleinen bescheidenen Behausung. Sie glaubte, sie wäre glücklich und alles liefe
seinen richtigen Weg.
Früher
einmal hatte sie von der großen romantischen Liebe geträumt. Wie alle kleinen
Mädchen hoffte sie, dass eines Tages ein Prinz auf einem großen weißen Pferd
daherkomme und sie mit sich nimmt, in sein großes Schloss.
All
ihre Freundinnen spielten damals mit Puppen, sie, nennen wir sie Bibiane, hatte
nie wirklich Interesse an Puppen. Sie fand sie sogar doof. Bibiane spielte viel
lieber mit Autos und Teddys. Beim Mutter und Kind spielen, wollte sie immer der
Vater sein. Nie die Mutter oder das Kind.
Ihre
Mutter machte sie immer recht hübsch, mit Kleidern und Spangen im Haar. Die
allerdings nicht lange in ihrem dünnen goldenen Haar hielten. Überhaupt spielte
sie viel lieber mit Jungen als mit Mädchen. Die waren ihr zu langweilig.
Wollten nur mit Puppen spielen und über Jungs reden.
Bibiane
kletterte lieber auf Bäume, buddelte in der Erde oder ging mit den
Nachbarsjungen, im Wäldchen nebenan, auf Abenteuerreise.
Schnell
merkte sie, dass sie lieber Hosen als Kleider trug und auch keine Angst davor
hatte, sich dreckig zu machen.
Ihre
Mutter verzweifelte schon manchmal, wie verdreckt Bibiane manchmal nach Hause
kam. Und auch sonst, war sie für jeden Streich zu haben.
Klingelmännchen
in der Nachbarschaft, Telefonstreiche, einfach mit dem Fahrrad in die nächste
Stadt fahren, ohne den Eltern etwas davon zu sagen.
Sie
war ein richtiger Lausbub und hatte an Jungen überhaupt kein Interesse. Nur als
Spielkameraden waren sie ihr sehr willkommen.
Dann
wurde Bibiane älter. Sie kam in die Schule und lernte neue Freundinnen kennen.
Diese schwärmten wieder nur von Jungen, wie toll und stark die wären und
stritten sich darüber, wer am besten küssen konnte.
Bibiane
verstand diese ganze Hysterie nicht. Aber sie machte mit, um dazu zu gehören. Sie
ging auf ihre ersten Partys, tanzte mit irgendwelchen Jungen, die ihr
eigentlich völlig egal waren und knüpfte die ersten zarten Bande.
Ihre
erste sexuelle Erfahrung machte sie dann mit vierzehn Jahren. Sie trat
einer
Musikkapelle bei und lernte dort einen Jüngling in ihrem Alter kennen.
Im
Haus seiner Eltern und auch noch in deren Bett, machte sie dann die erste
Bekanntschaft mit einem erregten Glied. Aber da war nur anfassen. Mal kurz
berühren, sie traute sich nicht einmal genauer hinzusehen. Diese „Beziehung“
dauerte dann auch nicht mehr lange. Bibiane war froh, als sie beendet war.
Danach
folgte lange nichts. Um nicht als sonderlich
zu gelten, spielte sie das Spiel ihrer Freundinnen mit. Sie sprach über
Jungs und Männer, schwärmte für den einen oder anderen Filmstar oder Sänger,
log darüber, dass sie schon Sex gehabt habe, nur um dazu zu gehören. Obwohl
Bibiane schon immer sehr selbstbewusst war und auch immer schon genau wusste
was sie wollte, war ihr die Freundschaft zu den anderen Mädchen und später
Frauen, doch sehr wichtig. Überhaupt war sie immer sehr harmoniebedürftig und
konnte es nicht haben, wenn sie mal Streit mit einer Freundin hatte.
Als
sie älter wurde, merkte sie, dass ihre Freunde sich immer auf sie verließen.
Sie arrangierte die Fahrer, wenn es in die Disko gehen sollte, sie machte
Vorschläge, wenn wieder keiner mal wusste, was sie unternehmen sollten. Und
alle akzeptierten sie. Aber Bibiane wurde auch oft von Freundinnen enttäuscht.
Aber das hielt sie nie davon ab, zu verzeihen und zu vergeben. Manche Freundin
hat sie für einen Jungen oder Mann fallen gelassen. Aber sie verlor nie den
Glauben an die Liebe oder die Freundschaft.
Bibiane
war ein Spätzünder, was den Sex betraf. Entjungfert wurde sie von ihrem zweiten
Freund im Auto mit dem Finger. Richtiger Sex kam dabei nicht zustande. Auch
diese Beziehung beendete sie schnell wieder. Dann kam der Mann, mit dem sie
ihren ersten Sex haben sollte. Es war nicht romantisch, nicht schön und sie war
froh, als es vorbei war. Es geschah auf dem Beifahrersitz seines Autos. Sie fühlte
nichts dabei, nur einen unangenehmen Schmerz. Danach schliefen sie öfter
zusammen und es wurde besser und Bibiane bekam sogar richtig Spaß daran. Dieser
Freund konnte sehr lange Sex machen, was ja eigentlich nicht schlecht war, doch
das Ganze war für Bibiane eine Tortur. Während er sich auf ihr abmühte um zum
Höhepunkt zu kommen, wartete sie nur darauf, dass er endlich fertig werde. Manchmal
war sie schon trocken, während er noch weiterrubbelte. Einen Orgasmus hatte sie
nie. Das änderte sich auch nicht bei ihren anderen Freunden. Sie hatte zwar
mehr Spaß am Sex, war aber immer darauf bedacht, dass er seinen Spaß hatte.
Ihre Erfüllung stellte sie immer hinten an. Orgasmen spielte sie immer vor,
damit die Männer dachten, sie machten alles richtig.
Ihre
Beziehungen hielten immer nur ein bis zwei Jahre maximal. Und immer war sie
froh, wenn es vorbei war. So groß die Verliebtheit am Anfang auch war, am Ende
war sie glücklich, wieder allein zu sein. Nach ihrer letzten Beziehung mit
Mitte dreißig, hatte sie dann noch einige One Night Stands bis sie schließlich
für sich beschloss, endgültig mit der Liebe abzuschließen.
Ihre
Beziehungen waren am Ende immer so enttäuschend gewesen, dass sie sich diesen
Gefühlen nicht mehr aussetzen wollte.
Doch
dann geschah etwas Seltsames. Sie hatte zwar schon immer bemerkt, dass sie die
eine oder andere Freundin auf eine andere Art mochte, als normale Freundschaft.
Sie ertappte sich manchmal dabei, wie sie sich vorstellte ihre Freundin zu
küssen, oder gar Sex mit ihr zu haben. Am Anfang errötete sie innerlich immer
dabei und verdrängte diese Gedanken.
Doch
je mehr Zeit ins Land ging und je länger Bibiane allein lebte überkam sie mehr
und mehr das Gefühl, dass da etwas war, was sie sich nicht erklären konnte.
Oder doch?
Sie
ertappte sich dabei, wie erregt sie wurde, als in einem Film zwei Frauen sich
küssten und Sex miteinander hatten. Ihr gefiel die Vorstellung mehr und mehr.
Bibiane fing an speziell nach Filmen zu suchen, in denen Frauen Sex miteinander
hatten. Sie las Bücher, Liebesgeschichten in denen Frauen in Frauen verliebt
waren. Doch ihr war klar, auch wenn sie diese Vorstellung erregte, mit einer
Frau Sex zu haben, sie würde das niemals ausleben können. In ihrem Lande war es
zwar nicht verboten gleichgeschlechtliche Beziehungen zu haben, aber sie könnte
das ihren Eltern niemals erklären. Sie würden das nicht verstehen. So wie sie
über Homosexualität dachten, hätte es gar keinen Sinn. Und Bibiane wollte von
ihren Eltern nicht verstoßen werden.
Also
lebte sie ihre Fantasien ganz im Geheimen aus, lies Filme in ihrem Kopfkino
ablaufen, las Bücher und sah sich Filme und Serien über das Thema lesbisch an.
Viele
Jahre ging das so, ihre Freunde hatten nicht die geringste Ahnung, was in ihr
vorging. Bibiane baute eine Mauer um sich herum auf. Sie spielte eine Rolle und
das verdammt gut. Sie ließ niemanden hinter ihre Fassade blicken und spielte
ihren Part. Sie lebte viele Jahre allein, war glücklich dabei, ging mit
Freunden aus, hatte Spaß und arrangierte sich mit der Situation. Doch innerlich
blieb die unerfüllte Sehnsucht nach Zärtlichkeit, Liebe, Verständnis und
sexueller Erfüllung. Aber das hätte sie niemals zugegeben. Wenn die sexuelle
Spannung zu groß wurde entspannte sie sich selbst und das reichte ihr. Sie war
glücklich und zufrieden bis, ja, bis dann eines Tages…
Bibiane
war schon immer eine begeisterte Schreiberin. Sie hatte so viele Geschichten im
Kopf, die sie gern zu Papier bringen wollte. Doch schreiben macht nur halb so viel
Spaß, wenn es weiter keiner liest. Also beschloss sie, im Internet einen Blog
einzurichten. Das war nichts Ungewöhnliches in dem Königreich, in dem sie
lebte. Anonym richtete sie eine Seite ein, auf der sie über ihre Gedanken und
Gefühle zum Thema Liebe zwischen Frauen schreiben konnte. Sie schrieb den einen
oder anderen Artikel. Zunächst sahen nicht viele Leser ihre Seite. Aber das war
ihr egal, schließlich schrieb sie ja in erster Linie für sich. Doch dann kamen
immer mehr Leser dazu. Sie bekam auch den einen oder anderen Kommentar. Doch
für ihren Geschmack waren das zu wenige. Also startete Bibiane einen Aufruf auf
ihrer Seite und bat um mehr Resonanz.
Zunächst
geschah nichts, doch dann, plötzlich, eine Email von einer unbekannten Frau.
Sie benutzte das Pseudonym Marlene Schanze. Sie schrieb Bibiane einen kurzen
Brief in dem sie ihr mitteilte, dass sie ihre Seite sehr ansprechend fände.
Dass sie in einer festen Beziehung mit einem Mann lebe und sie ihre Gefühle
auch nicht ausleben könne.
Bibiane
freute sich über die kurze Nachricht. Hatte sich doch bisher niemand sonst
geäußert. Also schrieb sie dieser Unbekannten zurück.
Daraus
entwickelte sich ein mehr oder weniger regelmäßiger Emailaustausch.
Fortsetzung folgt……
Alle
Namen und Orte sind frei erfunden.
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