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Sonntag, 13. Dezember 2015

Eine kleine Weihnachtsgeschichte

Das Glöckchen

Es begab sich vor langer Zeit. Dicht fiel der Schnee in der bitterkalten Dezembernacht auf die hohen Wipfel der Tannen. Kein Geräusch drang durch den tiefen Schnee zu dem kleinen Haus am Waldesrand. Dort lebte die achtjährige Rosemarie mit ihrer alten Großmutter.
Rosemarie stand am Fenster und schaute den tanzenden Schneeflocken zu, während die Großmutter das Essen zubereitete. Plötzlich vernahm Rosemarie ein helles Klingeln. Zunächst dachte sie, sie hätte sich getäuscht, doch da war es schon wieder, sie konnte es deutlich vernehmen.
„Großmutter, Großmutter!“ Mit langsamen, schlurfenden Schritten näherte sich diese dem Fenster. „Was ist denn mein Kind?“ „Komm, komm schnell. Ich habe ein Glöckchen gehört.“ „Ein Glöckchen? Aber Rosemarie, wo soll denn hier ein Glöckchen herkommen? Hier ist doch weit und breit Niemand.“
„Doch Großmutter. Ich habe es sehr deutlich vernommen. Es war zwar sehr leise aber ich habe es gehört. Es kam von dort, wo der Weg in den Wald führt.“
Sie wies mit ihrer kleinen Hand in die angegebene Richtung.
„Ach, meine Kleine. Du hast dich bestimmt verhört. Da draußen ist doch nichts. Komm jetzt zum Essen, sonst wird es noch kalt und das wäre sehr schade.“
Aber Rosemarie hörte nicht auf ihre Großmutter, warf sich ihren Wollumhang über die Schultern, nahm die Laterne vom Haken neben der Tür, öffnete diese und stapfte in den hohen Schnee hinaus. Sie richtete den Lichtschein auf den Waldweg der zu ihrer Hütte hinauf führte.
Zuerst konnte sie nichts erkennen, ihre Augen mussten sich erst an die Dunkelheit gewöhnen. Langsam ging sie Schritt für Schritt weiter. Plötzlich erschrak sie. Beinah hätte sie die Laterne fallen gelassen. 
 
 
Zwei funkelnde Augen, hell wie Bernstein, leuchteten ihr entgegen. Sie hob die Laterne noch etwas an und erkannte dann ein kleines, schwarzweiß geflecktes Kätzchen. Es sah sehr abgemagert aus und schaute sie verschreckt an. Rosemarie erkannte, dass dieses Kätzchen um den Hals ein rotes Band trug und an diesem Band hing ein kleines Glöckchen. Langsam und vorsichtig näherte sich Rosemarie ihm. Doch sobald sie einen Schritt nach vorn machte, sträubte das Kätzchen sein Fell und scheute zurück. Mit leiser Stimme sagte Rosemarie: „Hallo, wo kommst denn du her? Du brauchst keine Angst vor mir zu haben, ich tue dir nichts. Ich möchte dir helfen. Du siehst aus, als ob du schon länger keine richtige Mahlzeit mehr bekommen hättest.“
Das Kätzchen legte den Kopf schief, als ob es jedes Wort verstehen würde, miaute kleinlaut und ließ es zu, dass Rosemarie sich ihm näherte. Aber das struppige Fell sträubte sich immer noch. Behutsam streckte Rosemarie ihre kleine Hand aus um es zu streicheln und das Kätzchen ließ es zu. Schaute aber immer noch etwas ängstlich aus seinen großen leuchtenden Augen. Doch schließlich legte sich das struppige Fell und es fing sogar an zu schnurren.
Schließlich nahm Rosemarie das Kätzchen ganz behutsam auf den Arm. Sie konnte spüren, wie abgemagert es war. Eng schmiegte sich der ausgemergelte kleine Körper an den ihren. „Gleich wird dir wieder warm werden und dann bekommst du auch etwas Leckeres zu essen, “ flüsterte Sie dem Kätzchen ins Ohr.
Schnell lief sie zur Hütte zurück, trat ein und setzte sich mit ihrem Findelkind an den großen Kachelofen.
„Wen hast du denn da gefunden?“ fragte ihre Großmutter und sah mit traurigem Blick auf den armseligen Körper. Sie schlurfte zum Küchenschrank und nahm eine kleine Schüssel heraus, stellte sie vor den Ofen und gab etwas Milch hinein.
Rosemarie setzte das Kätzchen auf den Boden und zog die Schüssel etwas näher heran. Vorsichtig näherte sich das Kätzchen, schnupperte, lief um die Schüssel herum und fing langsam an zu schlecken. Rosemarie strahlte ihre Großmutter an. „Na, dir schmeckt es aber sehr gut. Friss dich nur richtig satt.“
Die Großmutter neigte denn Kopf, „wo es wohl her kommt? Es sieht sehr abgemagert aus. Ob es ausgesetzt wurde?“
„Tja, es muss weit gelaufen sein, der nächste Hof ist hinter dem Wald.“
Die Großmutter streichelte das Kätzchen und schaute Rosemarie an. „Was machen wir denn nun mit ihm?“
Rosemarie sah sie mit flehenden Augen an. „Können wir es nicht behalten? Wir können es doch nicht in den Schnee zurückschicken. Es würde elend eingehen.“
„Schon gut, schon gut“, lachte ihre Großmutter, „das würde ich auch nicht übers Herz bringen. Wo zwei satt werden, wird auch noch ein dritter satt.“
Rosemarie sprang auf, nahm ihre Großmutter in den Arm und sprach mit tränenerstickter Stimme: „Danke, danke, danke.“
„Kind, nicht so stürmisch, du erwürgst mich ja noch. Schließlich kann es sich, wenn es älter ist, mit der Jagd auf Mäuse nützlich machen.“
„Ich verspreche dir, ich werde mich gut um es kümmern.“
„Nun da wir das geklärt hätten, wie willst du es denn nennen?“
Rosemarie hob das Kätzchen auf und setzte sich an den Küchentisch. Nachdenklich streichelte sie das struppige Fell. Dann sah sie ihre Großmutter an.
„Ich denke, ich werde es Glöckchen nennen. Ja, das ist genau der richtige Name, wenn man bedenkt wie ich es gefunden habe.“
„Mmmhh, ja ich denke das passt. Also, Rosemarie und Glöckchen, lasst uns zu Abend essen.“

Es vergingen die Tage. Weihnachten kam immer näher und Glöckchen erholte sich zusehends. Es wurde größer und kräftiger. Als Rosemarie und ihre Großmutter eines langen Winterabends, kurz vor Weihnachten, am Kachelofen saßen, das Kätzchen zu ihren Füßen, hörte Rosemarie ein Geräusch. „Großmutter, ich habe draußen etwas gehört.“ Die Großmutter sah auf und legte ihr Strickzeug zur Seite. „Bist du sicher? Ich kann nichts hören.“
Rosemarie stand auf und lief zum Fenster. Sie sah in die verschneite Nacht hinaus und konnte bei dem dichten Schneetreiben zunächst nicht viel erkennen. Aber irgendwie ließ sie das Gefühl nicht los, das da draußen jemand war. Angestrengt versuchte sie das Schneegestöber mit den Augen zu durchdringen. Um ihre Beine schmiegte sich Glöckchen und schnurrte zufrieden vor sich hin. Plötzlich blieb es stehen, lauschte, lief zur Tür und miaute lautstark los. Jetzt stand auch die Großmutter aus ihrem alten Schaukelstuhl auf und schlurfte zum Fenster. Sie stellte sich hinter Rosemarie und schaute mit zusammengekniffenen Augen hinaus.
„Ich kann nichts erkennen. Hast du schon etwas entdeckt?“
„Nein, bisher nicht, aber Glöckchen benimmt sich so komisch, findest du nicht?“
Plötzlich tauchte aus den dichten Schneeflocken eine Gestalt auf. In der Hütte hielten beide den Atem an. Sie kam immer näher auf das Häuschen zu. Da rief Rosemarie: „Das ist der Bauer Klöpfel. Schau Großmutter, aus dem Nachbardorf.“
Die Großmutter sah genauer hin. Tatsächlich, es war Alois Klöpfel. Sie schlurfte zur Tür. Bauer Klöpfel lehnte gerade seinen Wanderstock an die Hüttenwand und klopfte sich den Schnee von den dicken Stiefeln. „Hallo ihr zwei, “ rief er, drückte Rosemarie herzlich an seine Brust und gab der Großmutter einen kräftigen Händedruck. „Hallo Alois, was führt sie bei diesem Wetter zu uns?“
„Nun, ich wollte mal sehen, wie es euch geht. Ob ihr noch nicht eingeschneit seid. Schließlich schneit es schon seit Tagen ununterbrochen. Ich dachte, ich sehe mal nach dem Rechten.“
„Ach, uns geht es gut. Schauen sie mal was ich im Wald gefunden habe, “ rief Rosemarie und hob Glöckchen auf ihren Arm.
„Oh, die ist aber niedlich.“ Der Bauer wandte sich an die Großmutter: „Es gibt noch einen anderen Grund, weshalb ich gekommen bin Oma Gangler. Es war ein Mann auf unserem Hof. Er hat nach euch gefragt. Er kam mit einem großen Schlitten der von sechs Rentieren gezogen wurde und hoch beladen war. Er hatte einen langen Bart und einen knöchellangen Mantel an. Ich habe versucht herauszubekommen was er von euch will, doch er schwieg sich in dieser Richtung aus. Er bat mich, ihm den Weg zu beschreiben. Ich habe mich sofort auf die Socken gemacht, über meine Schleichwege, quer durch den Wald, um eher hier zu sein. War er schon hier?“
„Nein“,  antwortete die Großmutter, „hier war niemand. Wir haben seit Tagen keine Menschenseele gesehen.“
„Dann bin ich ja noch rechtzeitig gekommen, um euch zur Vorsicht zu mahnen. Er machte zwar einen sehr netten Eindruck, aber man weiß ja nie. Er erwähnte noch, dass er etwas verloren hätte.“
Die Großmutter stemmte die Hände in die Seiten. „Tja, wenn er etwas will, wird er schon kommen. Bei uns ist nichts zu holen. Wir bieten ihm gern einen Platz an unserem Kachelofen und eine heiße Suppe an. Komm Alois, setzen sie sich zu uns an den Ofen und wärmen sie sich auf.“
„Ja, Großmutter, gib ihm doch eine Tasse von deiner leckeren heißen Schokolade.“
„Oh, das wäre schön, die wärmt mich bestimmt von innen wieder auf.“
Der Bauer setzte sich auf die Ofenbank und nahm dankend die Tasse mit der dampfenden Schokolade entgegen. Rosemarie und ihre Großmutter setzten sich zu Bauer Klöpfel und alle drei spekulierten noch eine Weile über den fremden Mann.

 

Wie sie da noch saßen und rätselten, was dieser Mann wohl von ihnen wollte, hörten sie draußen plötzlich helle Schellen erklingen. Gefolgt von einem lauten „Hoooohhh!“
Die drei sahen sich erstaunt und auch ein klein wenig erschrocken an. Dann klopfte es lautstark an die Tür. Klong, klong, klong!
Es war laut, bestimmend, aber auch irgendwie freundlich.
Als erste erwachte die Großmutter aus ihrer Erstarrung. Sie schlurfte zur Tür, dicht gefolgt von Rosemarie. Vorsichtig öffnete sie diese und draußen stand der Mann, den Bauer Klöpfel beschrieben hatte. Rosemarie versteckte sich hinter ihrer Großmutter und schlug ihre kleine Hand ängstlich vor den Mund.
Der Mann begann mit einer tiefen wohltönenden Stimme zu sprechen: „Guten Abend Großmutter Gangler, hallo Rosemarie, ach, und Bauer Klöpfel ist auch da. Das ist schön, dass ich sie hier wiedertreffe.“
Er schaute auf die Großmutter herab, lächelte und reichte ihr seine große Hand.
Freundlich fragte er: „darf ich eintreten?“ Mit einem herzlichen Händedruck schritt der Unbekannte große Mann an der Großmutter vorbei und betrat die Stube. Glöckchen wurde ganz unruhig auf Rosemaries Arm, fing an zu miauen und wollte unbedingt auf den Boden. Da sich das Kätzchen wie wild gebärdete setzte sie es ab. Kaum stand es auf seinen vier kleinen Pfoten lief es auf den großen Mann zu. Er fing an zu lachen und beugte sich, sichtlich überrascht, zu ihm hinunter. „Hier steckst du also. Ich habe dich im ganzen Land gesucht. Das ist ja eine tolle Überraschung.“
Rosemarie bekam den Mund vor Staunen nicht mehr zu. „Ist das etwa dein Kätzchen?“ Der Mann packte Glöckchen am Nacken und hob es auf seinen Arm. Er kraulte ihm den Nacken und es fing sofort an zu schnurren.
„Ja, ich habe es auf meiner langen Reise irgendwo verloren. Ich habe es leider erst zu spät bemerkt. Ich wusste nicht mehr, wo ich suchen sollte. Es war wie vom Erdboden verschwunden.“ Zu dem Kätzchen sagte er: „Ich bin so froh, dass ich dich wieder habe.“ Als ob Glöckchen ihn verstehen könnte, schmiegte es seinen Kopf an seine breite Brust. „Wie ist es hierhergekommen?“ fragte er an Rosemarie gewandt.
„Ich habe es im Wald vor unserer Hütte gefunden. Es war ganz ausgemergelt und sein Fell war ganz struppig. Ich bin durch das Glöckchen um seinen Hals auf es aufmerksam geworden. Wir haben es aufgenommen und wieder aufgepäppelt. Es hat sich schon sehr gut erholt.“
Der Mann brummte zufrieden. „Ja, das kann ich sehen. Es sieht sehr zufrieden aus.“
Die Großmutter bat den stattlichen Mann doch am Küchentisch Platz zu nehmen. Sie reichte auch ihm eine Tasse von ihrer leckeren heißen Schokolade. Da sie ihn alle mit großen Augen anschauten, begann der unbekannte, aber doch irgendwie faszinierende fremde Mann, seine Geschichte zu erzählen.
Er war in der ganzen Welt herumgereist und das alles mit seinem großen Rentierschlitten. Rosemarie bekam den Mund vor Staunen nicht mehr zu. All die tollen Geschichten aus den weit entfernten Städten. Auch die Großmutter und Bauer Klöpfel lauschten aufmerksam den Erzählungen des Mannes. Rosemarie schaute den Fremden verstohlen von der Seite an, sie wusste sicher, sie hatte ihn noch nie gesehen, und doch kam er ihr irgendwie bekannt vor.
Komisch, aber je mehr sie darüber nachdachte, umso vertrauter wurde er ihr. Sie schüttelte unmerklich den Kopf, um diese absurden Gedanken zu verscheuchen. Der Mann beendete gerade seinen Reisebericht und stand auf.
„So, nun habe ich eure Gastfreundschaft lange genug in Anspruch genommen. Aber bevor ich mich wieder auf den Weg mache, möchte ich euch noch etwas Gutes tun. Ihr habt so lieb auf mein Kätzchen geachtet und es behütet.“
Und mit einem Zwinkern in Rosemaries Richtung fügte er noch hinzu: „Und außerdem ist ja bald Weihnachten.“ Er stupste mit seinem Zeigefinger auf Rosemaries Nase. Sie musste unwillkürlich kichern.
„Ich gehe nur mal schnell zu meinem Schlitten, bin sofort wieder da.“ Sprachs
und verließ die Hütte. Nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hatte stapfte er durch den tiefen Schnee zu seinem Gefährt.
Die drei Menschen in der Hütte sahen sich an. „Unglaublich, aber irgendwie habe ich das Gefühl, ich kenne ihn“, sinnierte Bauer Klöpfel und strich nachdenklich über seinen zotteligen Bart. Die Großmutter sagte gar nichts, nahm die Tasse des Fremden und stellte sie zum Abwasch in die Schüssel. Die Tür öffnete sich und der Fremde betrat wieder die Hütte. Über die Schulter hatte er einen großen Sack aus Jute geworfen, er war prall gefüllt. Er nahm ihn herunter und stellte ihn auf den Tisch in der Stube. „Hier sind ein paar Lebensmittel drin, die euch für einige Zeit durch den harten Winter bringen werden.“
Mit einem Augenzwinkern in Rosemaries Richtung fügte er noch hinzu: „und außerdem noch ein paar Süßigkeiten für dich.“
„Es sind auch noch einige nützliche Dinge enthalten. Ich hoffe, ich habe das Richtige eingepackt.“ Er stellte den schweren Sack neben den Kachelofen und wandte sich wieder den dreien zu. „So ihr Lieben, nun muss ich aber wirklich aufbrechen. Ich bin noch nicht am Ende meiner Reise.“ Er schritt auf die drei zu und gab einem nach dem anderen die Hand. „Ich wünsche euch ein friedvolles Weihnachtsfest und einen ruhigen Start in das neue Jahr.“ Mit diesen Worten winkte er allen zu und ging aus der Tür, die schwer hinter ihm ins Schloss fiel. Die drei Zurückgelassenen schauten sich einen Moment an und liefen dann zum Fenster. Aber obwohl es nicht mehr schneite konnten sie ihn draußen nicht entdecken. So angestrengt sie auch schauten. In der Ferne hörten sie leise Schellen klingen. Niemand von den dreien sagte etwas. Nach einer Weile sprach Rosemarie nachdenklich in die Stille hinein: „Glaubt ihr eigentlich an den Weihnachtsmann?“ Die Großmutter und Bauer Klöpfel schauten sich an, dann wieder aus dem Fenster und dann zu Rosemarie.
Draußen fiel wieder leise der Schnee………


E N D E


Sonntag, 29. Juni 2014

Und noch eine Vampirgeschichte - Die Begegnung



Die Begegnung





Nachdem ich mich hergerichtet hatte nahm ich mir gegen zwanzig Uhr ein Taxi zu Donnas Wohnung. Ich wollte gerade den Klingelknopf drücken, als sie die Tür aufriss und mich freudig in den Arm nahm.

„Hallo Süße, schön daß du mitkommst.“ Mit diesen Worten führte sie mich in das Wohnzimmer, in dem schon ihre Freundin Kim und eine andere junge Frau, die ich nicht kannte, saßen.

„Das ist Tessa, eine Kommilitonin von Kim. Tessa, das ist Maddy, meine beste Feundin.“ Mit diesen Worten stellte sie uns vor und schob mich in Richtung Sofa. Kaum saß ich, da hatte ich auch schon eine Flasche Bier in der Hand. Donna setzte sich direkt neben mich und sprach zu Tessa : „Nun Tessa, wo waren wir gerade stehengeblieben?“

Und zu mir gewandt: „Du musst nämlich wissen, Tessa ist stock hetero.“ Sie zwinkerte mir zu.

„Du sagst das, als ob das eine Krankheit wäre,“ beschwerte sich Tessa, allerdings auch mit einem Zwinkern.

Ich musste lachen, na, Donna mal wieder in Höchstform.

"Mach dir nichts draus," sagte ich zu Tessa, "Donna meint es nicht so. Sie liebt es, andere aufzuziehen."

Tessa lachte, ein helles Lachen, daß ansteckend  wirkte. Sie warf ihren Kopf in den Nacken, so daß ihre roten Locken fast bis zu ihrem Po reichten.

Während wir die eine oder  andere Flasche Bier vernichteten, versuchte Donna Tessa von den Vorzügen lesbischer Liebe zu überzeugen.

Tessa nahm es mit Humor und gab meiner Freundin ordentlich Kontra. Mich amüsierte diese angeregte Diskussion, allerdings, als mein Blick auf Kim viel bekam ich den Verdach, dass diese keinen Gefallen an diesem Schlagabtausch fand.

Plötzlich stand sie auf und ging in die Küche. Während Donna und Tessa lautstark weiterdiskutierten folgte ich Kim. Die beiden bemerkten nicht einmal, dass ich aufgestanden war.

Als in die Küche betrat, sah ich Kim wie sie sich an den Kühlschrank lehnte. Sie sah erst auf, als ich direkt vor ihr stand.

"Alles ok mit dir?" Ich suchte den direkten Blickkontakt. Kim sah auf ihre Schuhe. Ich bekam keine Antwort.

Ich fasste mit Daumen und Zeigefinger Kim's Kinn und hob langsam ihr Gesicht an bis ich ihr in die Augen sehen konnte.

Irrte ich mich oder waren das Tränen in ihren Augen? Sie sah mich mit traurigem Blick an und ich nahm sie in die Arme.

"So schlimm?"

Kim hob den Kopf und sah mir direkt in die Augen. "Und sie merkt noch nicht einmal, dass sie mir damit weh tut." Ein kleiner Schluchzer enfuhr ihrer Kehle.

Ich wußte zunächst nicht, was sie meinte, doch dann viel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich mußte mir ein kleines Lächeln verkneifen.

"Ach Süße, du kennst doch Donna. Sobald eine attraktive Frau in ihre Nähe kommt ist sie nicht mehr zu bremsen. Das heißt doch nicht, das sie dich nicht liebt."

Arme kleine Kim, sie war über beide Ohren in Donna verknallt, und hatte doch keine Ahnung, auf was sie sich da eingelassen hatte. Donna ist eine ganz tolle Freundin, eine super Studienkollegin, eine sehr hilfsbereite Person, aber wenn es um Beziehungen ging, legte sie die Regeln sehr großzügig aus. Ich kannte Donna nun schon, seid ich mein Studium begonnen hatte. Das sie lesbisch war, hatte ich erst Monate später herausgefunden. Aber das sie in Sachen Treue nicht die zuverlässigste war, hatte ich sehr schnell kapiert. Vielleicht lag das aber auch daran, dass ich nichts von ihr wollte. Nicht, dass sie nicht attraktiv wäre, nein, sie war heiß. Aber ich suchte doch eher was fürs Herz und nicht nur fürs Bett. Sie hat  es damals akzeptiert und wir wurden die besten Freundinnen.

Nun stand  ich hier in der Küche mit Kim, ihrer neuesten Eroberung und veruchte sie  zu trösten, obwohl ich wußte, dass das nicht lange gut  gehen würde. Aber  ich wollte ihr nicht sofort die Illusion nehmen.

Ich sah Kim direkt in die Augen. "Kim, Donna war, seid sie hier an der Uni ist, noch mit keiner Frau so lange zusammen wie mit dir. Und außerdem, Tessa ist hetero und so wie ich das mitbekommen habe, auch nicht bekehrbar. An ihr wird sich unsere taffe Donna die Zähne ausbeißen. Und du bist dann da, um sie zu trösten."

"Meinst du?"

"Aber ja, ich kenne sie nun schon einige Zeit. Glaub mir, sie will nichts von Tessa. Es bereitet ihr nur tierischen Spaß, Heteras zu provozieren. Sie meint das nicht ernst und ich denke, Tessa hat das verstanden. Sie nimmt es mit Humor."

Jetzt schaute Kim schon nicht mehr so unglücklich. Ich  nahm sie noch einmal in den Arm und drückte sie. "Und, alles wieder gut?" Sie nickte. Zusammen gingen wir wieder ins Wohnzimmer. Die beiden Kontrahentinnen hatten ihre Diskussion beendet und sprachen gerade über die neu gegründete Rockband der Uni. Donna sah auf und rief uns zu: "Da seid ihr ja. Los, Jacken anziehen, wir wollen starten!"

Gehorsam zogen wir uns an und verließen die Wohnung. Vor dem Haus stand Donna's alter Wagen. Ein dunkelblauer Ford Taunus. Den hatte sie von ihrer Oma geerbt, die ihn wiederum aus Deutschland importieren ließ. Wir hatten alle bequem Platz und gut gelaunt fuhren wir los Richtung Uni.

Am Verbindungshaus angekommen ließ uns Donna direkt vor dem Eingang aussteigen,  während sie nach einem Parkplatz suchte. Vor dem Haus war schon allerhand los. Junge Leute standen in kleinen Gruppen zusammen oder saßen mit ihren Getränken im Schneidersitz auf dem Rasen vor dem Haus. Kim, Tessa und ich bahnten uns einen Weg durch die im Rythmus wackelnden, teils halbnackten Leiber. Als wir die Treppe zum Eingang hinaufgingen kam uns eine Gruppe gröhlender junger Männer entgegen, die Bierflaschen wild hin und her schwenkend direkt auf uns zustürmten. Wir hatten keine Chance mehr auszuweichen. Ein großer Blonder, anscheinend der Redelsführer, riß mich direkt in seine Arme und schwankte mit mir hin und her. Er versuchte mir einen Kuß aufzudrücken und ich hatte alle Mühe seinem gespitzen Mund auszuweichen.

„Nun zier dich nicht so, ich kann sehr gut küssen“, lallte er dicht vor meinem Gesicht. Ich musste wohl etwas angewidert geschaut haben, denn er ging mit seinem Kopf zurück. Aber er blieb vor mir stehen.

„Etwas mehr Respekt, meine Liebe, ich bin schließlich ein Fürst.“

Ich konnte mir ein Lachen kaum verkneifen. „Aber ja, und ich bin eine Gräfin.“

Tessa und Kim fingen an zu kichern.

Der Blonde schaute mich plötzlich sehr ernst an. Mir wurde etwas mulmig zu mute. Dann kam er ganz langsam wieder mit seinem Gesicht auf mich zu. Ich traute nicht, mich zu bewegen. Eigentlich hätte ich ihn ganz leicht wegstoßen und weitergehen können, doch irgendetwas hielt mich zurück.

Er kam ganz nah an mein Gesicht, dann neigte er seinen Kopf, bis er mit der Nase fast meinen Hals berührte. Er schnüffelte, ja, wie ein Hund. Ich hätte laut loslachen können, doch irgendetwas tief in mir, riet mir davon ab.

„Nein, bist du nicht.“ Sagte er ganz trocken.

„Ach, und warum nicht?“ antwortete ich schnippisch.

Sein Kopf hatte sich wieder um einige Zentimeter von mir wegbewegt. Er sah mich nur an. Ich hatte den Eindruck, dass seine Augen etwas dunkler geworden waren, aber das bildete ich mir bestimmt nur ein.

„Warmes Blut.“

Das war alles was er sagte. Ich bin wirklich nicht auf den Mund gefallen, aber darauf wusste ich jetzt nichts zu erwidern.

Seine Kumpel wurden plötzlich lebendig, nahmen ihn rechts und links bei den Armen und versuchten ihn unter fröhlichem Gegröle von mir wegzuziehen. Er sträubte sich anfänglich und starrte mir währenddessen stur in die Augen.

Ich bekam ein komisches Gefühl im Magen. Doch plötzlich grinste er, hob sein Bierglas um mir zuzuprosten und gab uns den Weg frei.

Ich schaute irritiert auf Kim und Tessa.

„Was war das denn?“

Kim und Tessa kicherten. „Na, die hatten wohl ein Bier mindesten zu viel.“

„Mmh, mag schon sein.“

„Ach mach dir nichts draus Charly, ah da kommt Donna.“

„Und überhaupt, was sollte das, warmes Blut? Was denn sonst?“ murmelte ich vor mich hin. Aber viel Zeit darüber nachzudenken hatte ich nicht mehr. Schon kam Donna von hinten auf uns zugestürmt und schob uns Richtung Eingang.

„Na, habt ihr schon Sehnsucht nach mir gehabt?“ fragte sie uns mit einem schelmischen Lächeln und gab Kim einen Kuss auf den Mund.

„Ein bisschen schon“, meinte diese ganz leise und schmiegte sich an Donna.

Gemeinsam betraten wir vier nun das Haus. Drinnen war schon die Hölle los. Wir drängten uns an halbnackten Körpern vorbei. Durch den ohrenbetäubenden Lärm konnten wir unser eigenes Wort nicht verstehen.

Ich wandte mich an Donna: „Bist du sicher, dass Professor McPhee auch hier ist?“

„Was?“ schrie sie zurück.

Noch etwas lauter schrie ich ihr direkt ins Ohr: „Bist du sicher, dass Professor McPhee heute Abend hier ist?“

Donna nickte nur. Also schoben wir uns weiter in das Innere des Hauses.

Donna lotste uns in die Küche. Dort war die Musik nicht ganz so laut.

„So Mädels, erst mal flüssige Nahrungsaufnahme.“

Auf dem großen hölzernen Küchentisch standen zig offene Flaschen mit den echt harten Sachen.

Donna suchte so lange, bis sie das Richtige gefunden hatte. Triumphierend hielt sie die Falsche hoch. „Tequila! Fehlt nur noch Salz und Zitrone.“

Suchend lief sie in der Küche herum. Ich schaute mich um. Wir hatte Tessa verloren. Wahrscheinlich kannte sie hier jemanden und hatte sich zu ihnen gesellt.

Kim und ich schauten uns an. Ich fühlte mich nicht wirklich wohl hier unter all den feiernden Leuten und ich hatte den Eindruck, Kim ging es ebenso.

Donna hatte schließlich gefunden wonach sie gesucht hatte. Sie goss drei Gläser voll mit Tequila, streute sich etwas Salz auf den Handrücken und reichte den Streuer dann weiter.

Ich lehnte ab. „Sorry, aber ich schaue mal, ob ich Prof. McPhee irgendwo finde.“

„Spaßbremse.“ Donna zwinkerte mir zu und reichte Kim das Salz und die Zitronenscheibe.

Ich verließ die Küche und bahnte mir einen Weg durch die Menge. Aber ich konnte die Professorin nirgends entdecken. Nach einiger Zeit gab ich die Suche auf. Aber nun konnte ich weder Tessa, noch Kim und Donna irgendwo entdecken. Ich beschloss auf die Terrasse zu gehen um etwas Luft zu schnappen, doch vorher holte ich mir noch ein Bier in der Küche.

Auf der Terrasse war es nicht ganz so voll und vor allem nicht ganz so laut.

Aufatmend lehnte ich mich an das Geländer und schaute auf die Grünfläche vor dem Haus. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich so dastand, doch plötzlich verspürte ich ein Gefühl, als ob mich jemand von hinten beobachtete.

Oh, bitte lass es nicht wieder diesen blonden Typ sein, dachte ich bei mir.

Ich drehte mich langsam in Richtung der Terrassentür. Ich konnte Niemanden entdecken, der mich vielleicht anstarrte. Also wandte ich meinen Blick wieder nach vorn. Ich träumte so vor mich hin. Meine letzte feste Beziehung mit einer Frau war schon eine Weile her. Donna machte sich immer wieder darüber lustig. Aber sie meinte es nicht so. Sie war wirklich eine gute Freundin. Wenn ich Probleme hatte, egal welcher Art, konnte ich zu jeder Tages- oder Nachtzeit zu ihr kommen. Oder sie anrufen. Donna wusste immer Rat. Und wenn nicht nahm sie Dr. Tequila zur Hilfe. Das ging immer.

Ein kühler Luftzug im Nacken riss mich aus meinen Gedanken. Ich spürte etwas, ohne sagen zu können, was es war. Eine Präsenz, ein Gefühl von Kälte durchfuhr mich. Ich fröstelte. Ich wusste schlagartig, dass da etwas hinter mir war, aber ich konnte nicht sagen was. Und ich traute mich auch nicht mich umzudrehen.

„Ist dir kalt?“ hörte ich eine tiefe weibliche Stimme hinter mir. Diese kam mir bekannt vor und ich drehte mich vorsichtig um.

Voller Überraschung sah ich, dass Professor McPhee hinter mir stand. Und zwar ziemlich nah. Ich konnte ihr Parfüm riechen. Dior, einer meiner Lieblingsdüfte.

„Oh, hallo Professor McPhee. Ähm, nein, es war nur ein kleiner Schauer der mir über die Haut fuhr.“

Sie sah wie immer atemberaubend aus. Ihre langen gelockten roten Haare reichten fast bis zu ihrem Po. Ihre Haut war makellos. Sie hatte einen schlanken durchtrainierten Körper und ihre Augen erst. Dunkel, tiefgründig und sie passten wunderbar zu ihrem vollen Mund. Der übrigens lächelte und ihre ebenmäßigen weißen Zähne zum Vorschein brachte.

Ich hatte sie ja schon ein paarmal im Hörsaal gesehen, aber jetzt, so nah, sah sie noch viel toller aus.

Ich räusperte mich. „Mhr, schön dass ich sie hier treffe.“

Sie schaute mich an und ihre Augen schienen zu strahlen.

„So, Charlotte, nicht wahr? Das Vergnügen ist ganz meinerseits.“

Mein Gott hatte die Frau Stil.

„Ja, ähm, ich schreibe da gerade an einem Aufsatz und finde nicht den richtigen Ansatz. Irgendwie fehlt mir der Bezug zum Thema.“

Sie schaute mir direkt in die Augen. „Um welches Thema geht es denn?“

„Vampire.“

Ihr Lächeln verschwand und ich hatte den Eindruck, dass ihre Augen noch dunkler wurden, falls das überhaupt möglich war.

Aber nur für einen kurzen Moment, dann lächelte sie mich wieder an. „Und um was genau?“

„Na ja, woher dieser Mythos kommt, die verschiedenen Ansichten, ob so etwas in der heutigen Zeit überhaupt möglich wäre.“

„Da hast du dir ja ganz schön was vorgenommen.“ Ihre Stimme klang wie schwarzer Samt. Obwohl ich nicht wirklich weiß wie sich schwarzer Samt anhört. Aber dieser Vergleich kam mir in den Sinn. Obwohl ich das Gefühl hatte, nicht ganz bei Sinnen zu sein.

Ich lächelte schief. „Tja, man sollte vorsichtig sein mit dem was man sich wünscht, es könnte in Erfüllung gehen.“

Sie schaute mich an. Dann fasste sie mich ganz sanft am Arm: „Ich werde dir helfen, aber heute Abend wird gefeiert. Lass uns tanzen gehen.“

Ganz sacht führte sie mich durch die Menge und ich hatte das Gefühl wie durch ein Fenster zu schauen. So, als ob ich gar nicht da wäre, sondern alles nur durch eine Scheibe beobachten würde. Wir erreichten ohne Probleme die Tanzfläche im Wohnzimmer. Es wurde Hip Hop gespielt, nicht gerade mein Geschmack. Ich sah wie Professor McPhee in Richtung des DJ’s nickte und plötzlich hörte die Musik auf und es erklang ein Popsong aus den 80ern. Meine absoluten Favoriten, auch darüber machte Donna sich immer lustig. Sie mochte alles was laut war und viel Bass hatte. Darin unterschieden wir uns total.

„Äh, Professor McPhee……“

„Susi, nenn mich Susi, wenn du Professor McPhee sagst fühle ich mich so alt.“

Ich wurde rot. Etwas komisch fand ich es schon, mit meiner Professorin zu tanzen und sie dann auch noch beim Vornamen zu nennen.

Sie lächelte mich an und plötzlich war es mir egal. Die Musik gefiel mir und ich fing an zu tanzen. Wir beide bewegten uns zum Rhythmus der Musik und ich wurde immer lockerer.

Wir tanzten eine ganze Weile, und das, wo ich doch eigentlich ein Tanzmuffel bin. Donna ist da ganz anders. Sie hält nichts mehr, wenn ihre Musik gespielt wird.

Sie spielten ein Lieblingslied nach dem anderen von mir. Eigentlich hätte mich das wundern müssen, aber ich war wie im Rausch. Dann plötzlich hörte die Musik auf und es erklang ein Schwof Lied. Zuerst war ich irritiert und wusste nicht recht, was ich tun sollte. Normalerweise würde ich in so einer Situation die Tanzfläche fluchtartig verlassen. Doch da stand ich, wie angewurzelt vor Susi, und wartete ab. Worauf eigentlich? Aber im nächste Augenblick wusste ich es. Susi kam langsam auf mich zu und nahm meine Hände. Langsam fing sie an sich zur Musik zu bewegen. Herrgott, ich starrte auf ihre sich sanft bewegenden Hüften. Meine Gedanken rasten. Eigentlich war ich nur mitgekommen um vielleicht ein Mädel für mich klar zu machen. Und nun tanzte ich mit meiner Professorin, und das auch noch Hand in Hand. Langsam fing auch ich an mich zu bewegen. Nur ganz sacht und wir sahen uns dabei in die Augen. Um mich herum nahm ich nichts mehr wahr. Ich sah auch nicht wie Donna und Kim ins Zimmer kamen und mich mit offenem Mund anstarrten.

„Meine Herrn, da schau her, stille Wasser sind tief.“ Donna stieß Kim in die Seite, so dass diese aufschrie. „Spinnst du!?“

Aber Donna nickte nur in meine Richtung und schmunzelte. Kim schaute zu mir herüber: „Das glaub ich jetzt nicht!“

„Ja, sag ich doch, stille Wasser sind tief.“

„Ich dachte sie tanzt nicht gern.“

„Tja, muss wohl nur die Richtige kommen.“

„Komm, lass uns auch tanzen.“

„Ach Donna, mir ist nicht gut, lieber nicht.“

Donna sah Kim besorgt an. „Was ist mit dir?“

„Mir ist schlecht und irgendwie schwindelig.“

„War wohl doch ein Tequila zu viel?“

„Keine Ahnung. Können wir nach Hause fahren?“

„Was, jetzt schon? Es fängt gerade an Spaß zu machen.“

„Na ja, wenn du nicht möchtest, kann ich auch mit dem Taxi fahren.“

„Ich würde schon noch gern etwas bleiben. Wenn es dir nichts ausmacht.“

„Aber nein, bleib du nur hier und amüsier dich, ich werde zu mir fahren und mich hinlegen. Ist gar kein Problem.“

„Ok, willst du Charly noch tschüss sagen?“

„Ja, das mache ich.“

Donna kam mit Kim an der Hand auf die Tanzfläche. Sie stupste mich am Arm, Susi und ich waren mittlerweile zum Klammern übergegangen. Es dauerte einen Moment bis ich Donna bemerkte.

„Hi Süße, Kim möchte nach Hause, ihr ist nicht gut. Ich bringe sie schnell zum Taxi und komme dann wieder.“

Ich schaute auf Kim. Sie sah aus wie ein Häufchen Elend. Dann schaute ich wieder meine beste Freundin an.

„Bringst du sie denn nicht heim?“

„Nö, es macht ihr nichts aus, wenn ich noch etwas hier bleibe. Der Abend hat ja gerade erst angefangen.“

„Du hättest ihr nicht so viel Tequila geben sollen. Du weißt doch, dass sie nicht so viel verträgt.“

„Ach, ein starker Kaffee und Morgen geht es ihr wieder gut.“ Donna grinste mich an. In diesem Moment hätte ich sie schütteln mögen. Donna war manchmal so Gedankenlos. Aber ich wusste, dass sie es nicht böse meinte. Trotzdem. Ich schaute Susi an, wir hatten unsere Umklammerung keinen Millimeter gelöst.

„Probleme?“ fragte sie mit ihrer samtigen Stimme.

„Meine Freundin will ihre Freundin nicht nach Hause begleiten, obwohl es ihr offensichtlich nicht gut geht.“

„Und das ärgert dich?“

„Ja, natürlich. Donna ist manchmal so, so, …….“ Mir fiel gerade kein Wort ein, welches meine Gefühle ausdrücken könnte.

Susi lockerte für einige Sekunden die Umarmung und wandte sich an Donna: „Hi, ich bin Susan McPhee.“ Sie reiche ihr die Hand. Ich musste innerlich grinsen. „Hi, Donna Bennett.“ Donna nahm die ihr dargebotene Hand und schüttelte sie ordentlich. Wie es halt ihre Art war.

„Hallo Donna, schön dich kennenzulernen.“

Das Schütteln hatte aufgehört und Donna sah Susi direkt in die Augen.

„Ich habe gehört ihr wollt schon gehen? Deiner Freundin geht es nicht gut und du begleitest sie nach Hause?“

Donna grinste dümmlich und nickte nur.

Hä? Was ist denn jetzt los? Hatte Donna nicht gerade gesagt, dass sie Kim nur zum Taxi bringen wollte?

Susi ließ ihre Hand los und schaute mich kurz an, zu Donna gewandt meinte sie: „Dann gute Heimfahrt, und nehmt auf jeden Fall ein Taxi, du hast ja auch einiges getrunken.“

„Ja, machen wir. Euch noch einen schönen Abend.“ Und zu mir gewandt: „Süße, wir sehen uns Morgen.“ Und etwas leiser: „Tu nichts, was ich nicht auch tun würde.“ Sie zwinkerte mir zu und verschwand mit Kim an der Hand von dannen. Kim schaffte es gerade nur mir noch einen kurzen Gruß zuzuwinken und schon waren sie um die Ecke verschwunden. Ich schüttelte den Kopf.

„Alles in Ordnung?“

Jetzt hatte ich keine Lust mehr zum Tanzen und bat Donna mit mir auf die Terrasse zu gehen. Sie willigte ein und wir verließen den lauten Raum, in dem es jetzt nach Zigarettenrauch und Gras roch. Ich war froh dieser Luft zu entkommen.